Mehr als ein Dutzend wissenschaftliche Fachgesellschaften fordern ein besseres Daten-Management in der Coronapandemie. »Statistiken und statistische Modelle tragen maßgeblich zur politischen Entscheidungsfindung in Pandemien bei«, heißt es in einem Positionspapier der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Statistik (DAGStat). Dafür brauche man »eine nationale Strategie und systematische Sammlung von Daten«. Beides gebe es bisher nicht.

Problem Vergleichbarkeit

Defizite beträfen etwa die Vergleichbarkeit: Die Infektionszahlen hängen nach Darstellung der Statistiker »stark von der Verfügbarkeit von Tests, der Qualität der Tests und der Teststrategie ab«. Besser wäre es, »regelmäßige Tests in gut definierten Zufallsstichproben durchzuführen, um das Infektionsgeschehen richtiger abbilden zu können«.

Ein weiteres Problem sei der Datenschutz. Um etwa zu verstehen, welche Gruppen einem höheren Risiko ausgesetzt sind, müsse man individuelle Merkmale erheben. Das aber scheitere oft an den hohen Anforderungen an den Datenschutz. »Für die Zukunft wünscht man sich im Sinne eines schnelleren und sicheren Erkenntnisgewinns jedoch bessere und einfachere Zugangsmöglichkeiten«, heißt es in der Stellungnahme.

An dem Papier haben unter anderem Vertreter von zehn Universitäten und dem Statistischen Bundesamt mitgearbeitet. Um politische Maßnahmen zu rechtfertigen, »spielt die Qualität der Daten eine entscheidende Rolle«, heißt es darin. Ohne sie könnten »die Grenzen zwischen Informieren und Überzeugen nicht immer klar gezogen werden.«

Frage der Interpretation

Für die einen Wissenschaftler rechtfertigten die Zahlen zu Neuinfektionen, Übersterblichkeit und der Belegung von Intensivbetten die Anti-Corona-Maßnahmen. »Andere haben die gleichen Daten so interpretiert, dass aus ihrer Sicht weniger strikte Maßnahmen notwendig sind«, schreiben die Fachleute.

Klar ist allerdings auch, dass bei der Interpretation der Daten oft politische Hintergründe eine Rolle spielen –…