Corona-Krise
Astrazeneca-Mittel als nationale Wunderwaffe

Premier Boris Johnson hebt die Daumen in die Höhe, nachdem er die erste Impfdosis mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca erhalten hat, verabreicht wurde. Foto: Frank Augstein/PA Wire/dpa

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Dder Impfstoff Astrazeneca und das Unternehmen haben in Europa ein Imageproblem. Anders in Großbritannien: Hier gilt das in Oxford entwickelte Präparat als Ausdruck britischen Erfindergeists.

Boris Johnson ließ gar keinen Zweifel aufkommen. «Es wird definitiv Oxford/Astrazeneca sein», sagte der britische Premierminister, als er von seinem Corona-Impftermin berichtete.

Seit Beginn der Pandemie verkauft Johnsons Regierung die Eindämmung des Coronavirus als nationale Anstrengung, die der des Zweiten Weltkriegs gleicht. Täglich ist von «Kampf» und «Gefecht» die Rede und immer wieder wird der Geist der Weltkriegsgeneration beschworen. Dazu gehört, den – wie die Regierung nicht müde wird zu betonen – maßgeblich in Großbritannien vorangetriebenen und finanzierten mpfstoff zu preisen.

Demonstrativ ließ sich Johnson das Präparat spritzen, das der Pharmakonzern Astrazeneca gemeinsam mit der Universität Oxford entwickelt hat. Es gilt als Wunderwaffe im Kampf gegen den «unsichtbaren und kaltblütigen Feind», wie Churchill-Bewunderer Johnson es formuliert – und hat inzwischen einen Status ähnlich dem der Spitfire-Flugzeuge oder des Radars, die dabei halfen, den Krieg zu gewinnen. Kritik am «Oxford-Impfstoff», wie Regierungsmitglieder das Vakzin gerne nennen, wird als Kritik am eigenen Land verstanden.

An diesem Samstag (27. März) ist es ein Jahr her, dass der Premier seine Corona-Infektion öffentlich machte. Sie hätte ihn beinahe das Leben gekostet, wie er später bekannte. Tagelang musste er auf der Intensivstation behandelt werden. Überhaupt war 2020 kein gutes Jahr für Johnson. Es fehlte…