Die chinesische Regierung nutzt den Bau der sogenannten Neuen Seidenstraße auch dazu, Regierungen geostrategisch wichtiger Länder gefügiger zu machen. Das geht aus einer Auswertung von Tausenden Seidenstraße-Projekten in 64 Ländern hervor, die das Berliner Merics-Instituts für den SPIEGEL erstellt hat.

Die fünf größten Profiteure der Seidenstraße sind demnach Pakistan, Russland, Kasachstan, Vietnam und Indonesien. Zusammen erhielten sie seit September 2013 rund 66 Milliarden Dollar Finanzhilfen und Kredite für den Bau von Straßen, Häfen, Kraftwerken, Pipelines, Fabriken, Glasfaserleitungen – und weiterer Projekte, deren Sinn und Zweck unklar ist.

Nicht hinter allem, was unter der Chiffre Neue Seidenstraße passiert, steckt demnach eine globale infrastrukturelle Vision. China richte sich auch nach den Wünschen der Empfängerländer, sagt Jacob Mardell von Merics, der monatelang um die halbe Welt gereist ist, um den Fortschritt der Neuen Seidenstraße vor Ort zu begutachten. Die Datenbank von Merics gilt weltweit als eines der umfassendsten Forschungsprojekte zu Chinas neuem Infrastrukturnetz.

Der pakistanischen Stadt Lahore finanzierte China zum Beispiel eine neue Metrolinie für 1,3 Milliarden Dollar. Insgesamt bekam Pakistan laut der Merics-Datenbank 18,6 Milliarden Dollar im Rahmen der Neuen Seidenstraße – mehr als irgendein anderer Staat auf der Welt. Pakistan gilt als wichtiger Verbündeter Chinas gegen die aufstrebende Regionalmacht Indien.

Russland, das von China als Verbündeter gegen die globale Hegemonie der USA betrachtet wird, liegt auf Platz zwei der Empfängerländer. Insgesamt bekam Russland knapp 18 Milliarden Dollar aus China, den größten Batzen davon für ein Flüssiggasprojekt in Sibirien.

Der russische Staatskonzern Gazprom erhielt 2016 zudem rund zwei Milliarden Dollar von der staatlichen Bank of China – angeblich für die Entwicklung einer Blockchain-Technologie. Da es sich hierbei nicht explizit um ein Infrastrukturprojekt…