Bulimie
Die Tochter zieht wieder zu Hause ein und die Eltern merken: Da stimmt was nicht

Von Bulimie sind weit überwiegend Frauen betroffen

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Bulimie ist ein belastendes Thema. Als das erwachsene Kind coronabedingt wieder zu Hause einzieht, wird sichtbar, was lange im Verborgenen geschah. Wie können die Eltern mit der Erkrankung ihrer Tochter umgehen?

Von Reinhild Fürstenberg

Frau W.*, 54, kommt in meine Online-Sprechstunde. Sie ist Führungskraft in einem mittelständischen Unternehmen, hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Dafür hat sie viel geopfert, wie sie sagt – vor allem Zeit mit ihrer Tochter Ava, 21. Frau W. vermutet hier den Grund, warum sie heute bei mir sitzt. Bestimmt wäre alles anders gekommen, wenn sie mehr zu Hause gewesen wäre…

Worum es geht, ist schnell erzählt: Nach einem Top-Abitur studiert ihre Tochter seit eineinhalb Jahren Jura in Passau. Im Corona-Jahr ist ihr dort die Decke auf den Kopf gefallen. Nachdem es der Tochter psychisch immer schlechter ging, haben Frau W. und ihr Mann sie zurück zu sich nach Hamburg geholt.

Der Tochter ging es recht schnell sichtlich besser. Aber Frau W. beobachtete mehr und mehr seltsame Dinge: Sie konnte gar nicht so schnell einkaufen, wie der Kühlschrank wieder leer war. Klar, nun war eine Person mehr im Haushalt, aber so viel mehr? Frau W. hatte schon einen Verdacht, der sie sehr besorgte. Deswegen begann sie mit der Zeit, Buch zu führen: Was sie wann gekauft hatte, wann sie was gegessen hatte und wann ihr Mann. Der erklärte sie zunächst für verrückt und fand, dass diese Art heimlicher Kontrolle der Tochter nicht fair sei und deutlich zu weit ginge. Seine Haltung verunsicherte Frau W.. Aber das war ja leider nicht alles… 

Reinhild Fürstenberg ist Gesundheitswissenschaftlerin, systemische Beraterin und Familientherapeutin. Das von ihr geleitete…