Damit hat das Kabinett des konservativ-populistischen Ministerpräsidenten in wenigen Tagen sechs seiner 16 Regierungsmitglieder verloren. Matovic hatte seinen möglichen Rücktritt mit mehreren Bedingungen verknüpft, etwa, künftig dem Kabinett als einfacher Minister anzugehören. Manche dieser Konditionen waren für seine Koalitionspartner inakzeptabel.

Staatspräsidentin: »Premier muss den Weg freimachen«

Am Dienstag hatte auch Staatspräsidentin Zuzana Caputova den Regierungschef zum Rücktritt aufgefordert: »Es ist unausweichlich, dass der Premier mit seiner Demission den Weg für den Umbau der Regierung frei macht«, sagte das Staatsoberhaupt in einer öffentlichen Ansprache in Bratislava. Keine Einzelperson dürfe wichtiger sein als das Interesse des Landes und seiner Bürger.

Ausgelöst wurde die schwere Regierungskrise durch den Streit über das richtige Coronakrisen-Management. Matovic hatte eigenmächtig den russischen Impfstoff Sputnik V besorgt. Das führte zu erheblichem Unmut bei seinen drei Koalitionspartnern, die erst eine Entscheidung der EU-Behörden über die Zulassung des Wirkstoffs abwarten wollten.

Die Koalitionsparteien werfen dem ehemaligen Medienunternehmer Matovic außerdem vor, die Hauptschuld daran zu tragen, dass die Slowakei zuletzt im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Corona-Tote verzeichnete als fast jedes andere Land der Welt.

Matovic ist seit einem Jahr Ministerpräsident der Slowakei mit ihren knapp 5,5 Millionen Einwohnern. Nach einer aktuellen Umfrage wären die oppositionellen Sozialdemokraten bei Neuwahlen stärkste Kraft.