Heute geht es um die Fragen, ob neue Mutanten schon gleich eine neue Pandemie auslösen, ob die Kirchen an Ostern öffnen dürfen und ob die Deutschen Europameister im Schwarzmalen sind.

»Wir haben eine neue Pandemie« – haben wir?

Gestern waren sie alle unzufrieden mit den Beschlüssen der Bund-Länder-Runde: Die Befürworter der Lockerungen, weil es keine gegeben hat. Und die Befürworter der harten Maßnahmen, weil der Shutdown über Ostern zwar härter wird als gedacht, aber nicht besonders lang dauern wird. Schon bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Runde war Groll spürbar, nicht nur wegen der frischen Beschlüsse, sondern wegen der gesamten Leistungsbilanz der Verantwortlichen in den zurückliegenden drei Monaten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigte sich und die beiden Herren, die jeweils neben ihr saßen. Ende vergangenen Jahres habe man ja noch nicht mit den Auswirkungen der Mutanten für Deutschland rechnen können. Und dann sagte sie: »Wir haben eine neue Pandemie«.

Das allerdings stimmt nur so halb. Natürlich: Die Virusvariante B.1.1.7, die im Dezember auch in Deutschland neu auftrat, breitet sich rasant aus, aus dem gestrigen Bericht des RKI geht hervor, dass sie zurzeit bei 50 Prozent der untersuchten positiven Proben in Deutschland gefunden wird. B.1.1.7 gilt zudem als deutlich ansteckender und verursacht vermutlich schwerere Krankheitsverläufe als andere Varianten. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt dadurch. Der stärkste Anstieg ist bei Kindern zwischen 0 und 14 Jahren zu beobachten, die Sieben-Tage-Inzidenzen haben sich hier in den letzten vier Wochen mehr als verdoppelt. Somit sind Altersgruppen betroffen, die in der ersten Welle gar nicht oder kaum tangiert waren.

Doch auch wenn all dies die Politik vor neue Aufgaben stellt, heißt das nicht, dass sie mit dem Auftreten der Variante von Neuem hat anfangen müssen, was der Satz der Kanzlerin aber suggeriert. Denn laut RKI schützen alle Impfstoffe, die in Deutschland zur Verfügung stehen, nach…