Agnès Callamard war eine der Hauptermittlerinnen im Fall Jamal Khashoggi. Als Uno-Sonderberichterstatterin für außergerichtliche, standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen war sie verantwortlich für einen Bericht, der im Sommer 2019 die Tötung des saudi-arabischen Journalisten im Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul beschreibt.

In dem Interview erklärt Callamard, dass ein hoher Vertreter des saudi-arabischen Regimes in einem Treffen mit anderen Uno-Vertretern zweimal Drohungen gegen sie ausgesprochen habe. Es würde sich »um sie gekümmert«, so der Saudi-Araber demnach, sollten die Vereinten Nationen Callamard nicht zurückpfeifen.

Ihre Kolleginnen und Kollegen bei dem Termin im Januar 2020 in Genf hätten die Aussage als »Todesdrohung aufgefasst«, erklärte Callamard dem »Guardian«. Andere Offizielle aus Saudi-Arabien hätten angesichts der entsetzten Reaktion der Uno-Vertreter versucht, die Aussage herunterzuspielen. Beim Verlassen des Sitzungsraums habe der Mann seine Drohung allerdings noch einmal wiederholt. Er kenne Leute, die »angeboten haben, sich um die Sache zu kümmern, wenn ihr das nicht tut«.

Tonaufnahmen lassen Details der Bluttat erkennen

Callamard hatte sich in ihrem Bericht vor allem auf Tonbänder gestützt, die der türkische Geheimdienst in dem Konsulat mitschnitt, der die Vertretung offenbar verwanzt hatte. Darauf sind unter anderem Kampfgeräusche zu hören und Khashoggi, der mit seinen späteren Mördern in Streit gerät.

Der Regime-Kritiker war von einem aus Riad eigens angereisten Spezialkommando ermordet worden, als er Papiere für seine Hochzeit abholen wollte. Das hat die saudi-arabische Führung nach internationalem Druck eingeräumt und elf Männer vor Gericht gestellt. Die Uno hielt den Prozess allerdings für eine Farce.