Brasilien hat am Dienstag als zweites Land auf der Welt nach den USA mehr als 3000 Corona-Todesfälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet. Angesichts des anhaltenden öffentlichen Drucks für einen entschlossenen Kampf gegen die Pandemie hat Staatschef Jair Bolsonaro jetzt reagiert: Er verkündete am Mittwoch die Einsetzung eines Krisen-Komitees.

Es bestehe eine »Verpflichtung, die Auswirkungen der Pandemie so klein wie möglich zu halten«, sagte Bolsonaro nach einem Treffen mit hochrangigen Verantwortlichen im Präsidentenpalast in Brasilia. »Das Leben geht vor.«

Für den Kampf gegen die Corona-Pandemie sei ein Koordinationsrat eingesetzt worden, sagte Bolsonaro. In diesem Gremium seien die 27 Gouverneure, Parlamentsvertreter sowie Gesundheitsminister Marcelo Queiroga vertreten. Es werde unter der Leitung von Parlamentspräsident Rodrigo Pacheco einmal pro Woche tagen.

Insgesamt liegt die Zahl der Corona-Toten in dem südamerikanischen Land inzwischen bei 300.000 (lesen Sie hier eine Analyse). Nach dem Treffen im Präsidentenpalast erschienen alle Teilnehmer mit Schutzmasken – auch Bolsonaro, der bei früheren öffentlichen Auftritten seit Beginn der Pandemie nur selten eine Maske trug.

»Zwölf Monate hat Bolsonaro die Pandemie kleingeredet«, kritisierte die Tageszeitung »Folha de S. Paulo«. Der Präsident habe das Tragen von Masken lange Zeit abgelehnt und die Verhandlungen für den Ankauf von Impfstoffen »sabotiert«.

Bolsonaro verspricht Impf-Offensive

In einer Fernsehansprache stellte Bolsonaro in Aussicht, dass bis zum Jahresende die gesamte Bevölkerung Brasiliens geimpft sein werde. Bislang liegt die Impfquote aber nur bei 5,2 Prozent. Neue Töne schlug Bolsonaro auch gegenüber den Opfern der Pandemie an. In seiner Rede am Dienstag versicherte er »allen, die einen Angehörigen verloren haben«, seine Solidarität.

In dem Land grassiert eine besonders ansteckende Variante des Corona-Virus, die zuerst in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaats Amazonas,…