Zwei Stunden verhandeln, dann sechs Stunden pausieren, dann plötzlich ganz schnell mühsam ausgearbeitete Beschlüsse über den Haufen werfen: Das schildert grob den Verlauf der jüngsten Bund-Länder-Runde von Montagnachmittag bis den frühen Dienstagmorgen. Bei dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Länderchefinnen und Länderchefs sollten eigentlich die Corona-Maßnahmen verhandelt werden. Doch aus Sicht von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat die Runde nur noch wenig mit Verhandlungen auf Augenhöhe zu tun.

»Ich habe sechs Stunden auf einen Bildschirm geschaut und mich gefragt, was hier eigentlich passiert«, sagte Ramelow im ZDF-»Morgenmagazin«. »Bis 23:45 habe ich überhaupt nicht gewusst, wo die Bundeskanzlerin ist und wo ein Teil der Ministerpräsidenten abgeblieben sind.«

Bei der Sitzung hatte es erst nach einer mehrstündigen Unterbrechung Ergebnisse gegeben: Über Ostern soll das öffentliche, private und wirtschaftliche Leben weitgehend heruntergefahren werden. Weil danach Unmut laut wurde, dass trotz stundenlanger Corona-Beratungen die Umsetzung zentraler Beschlüsse noch offen bleibt, gibt es am Mittwoch eine Neuauflage. Merkel hat die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten kurzfristig zu einer zweiten Schalte eingeladen.

Pizza und kryptische Tweets

Bei der umstrittenen Runde vom Montag hatte Merkel in kleinen Runden weiterverhandelt, nachdem die Corona-Schalte über Urlaubsregelungen in Streit geraten war. Mehrere Länderchefs mussten warten, nach SPIEGEL-Informationen wurde Pizza bestellt.

Ramelow vertrieb sich das Ausharren unter anderem mit Twitter. Er sendete eine Reihe von »Ä«-Buchstaben, ein Seitenhieb auf Reiner Haseloff (CDU), Ramelows Amtskollege aus Sachsen-Anhalt. Denn der hatte vergangene Woche selbst ein »Ä« getwittert, allerdings aus Versehen. Bei Ramelow war es zu später Stunde Absicht. Den Umgang Merkels mit der Bund-Länder-Runde nennt er nun eine »seltsame Art des kommunikativen…