Die USA sind vom Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 nur wenig begeistert. Sie fürchten zu große Abhängigkeit Europas von russischem Gas – und einen geschmälerten eigenen Gas-Verkauf. Nun hat auch der neue US-Außenminister Antony Blinken sein erstes Zweiertreffen mit Bundesaußenminister Heiko Maas für scharfe Kritik an der Ostsee-Gaspipeline genutzt.

Blinken warf Deutschland indirekt vor, mit dem Festhalten an dem Projekt Russlands Bemühungen um eine Beeinträchtigung der kollektiven Sicherheit in die Hände zu spielen. Sprecher Ned Price teilte nach dem Gespräch am Dienstagabend am Rande eines Nato-Treffens in Brüssel mit, Blinken habe die Entschlossenheit der USA unterstrichen, mit Verbündeten und Partnern zusammenzuarbeiten, um dieser Absicht Moskaus entgegenzuwirken. In diesem Zusammenhang habe er den Widerstand gegen die Gaspipeline bekräftigt. Das Auswärtige Amt machte keine Angaben zum Thema Nord Stream 2 und sprach von einem »sehr guten Austausch«.

USA wollen Baustopp von Nord Stream 2

Die USA hatten im Januar bereits Sanktionen gegen ein am Bau beteiligtes Unternehmen verhängt. Sie wollen einen Baustopp erwirken. Pipeline-Befürworter werfen den USA dagegen vor, nur ihr Flüssiggas in Europa besser verkaufen zu wollen. Wenige Stunden vor dem Gespräch mit Maas – dass das US-Außenministerium als »kurz« beschrieb – hatte Blinken bereits deutlich gemacht, dass die USA einen sofortigen Stopp von Nord Stream 2 verlangten und auch nicht vor neuen Sanktionen gegen am Bau beteiligte Unternehmen zurückschrecken würden.

Die Forderungen der USA kommen zu einem sehr späten Zeitpunkt: Die Pipeline ist mit ihren beiden rund 1230 Kilometer langen Leitungssträngen bereits zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt. Sie soll künftig eigentlich 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr von Russland nach Deutschland befördern.

Die Bundesregierung hat bislang eine politische Intervention zum Stopp des Projekts ausgeschlossen. In Berlin wird unter anderem…