Der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft im Wirecard-Skandal ist offensichtlich deutlich stärker in betrügerische Geldgeschäfte verwickelt als bislang bekannt. Nach Informationen von manager magazin hat Oliver B., der einstige Dubai-Statthalter Wirecards, Millionen von dem inzwischen zusammengebrochenen Dax-Konzern abgezweigt, diese als eine Art Prämie für die eigene Arbeit eingestrichen und auf ein Konto bei einer Liechtensteiner Stiftung transferiert. Nach manager-magazin-Informationen lagern bei der »Levantine Foundation« von Oliver B. 6,1 Millionen Euro. Knapp fünf Millionen Euro stammen demnach aus dem Asien-Geschäft des Unternehmens. Auch der SPIEGEL hatte im vergangenen November über die Stiftung und die 6,1 Millionen Euro berichtet.

Die geheimen Geldflüsse hat er Insidern zufolge in einer Stellungnahme seines Verteidigers an die Staatsanwaltschaft Ende 2020 selbst eingeräumt, nachdem die Stiftung bekannt geworden war. In seinen Vernehmungen im Sommer vergangenen Jahres hatte er offenbar nichts davon erwähnt.

Oliver B. hatte sich Anfang Juli den Ermittlungsbehörden gestellt und als Kronzeuge angeboten, wenige Wochen nach der Insolvenz des Zahlungsanbieters. Was er über den mutmaßlichen Betrug enthüllte, führte zu einer Ausweitung der Ermittlungen und zu weiteren Festnahmen. Auf seinen Aussagen basieren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft – allen voran gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Demnach sollen Vorstandschef Markus Braun (52) und weitere Topmanager des Konzerns die Geschäfte mit den Partnerunternehmen vorgetäuscht haben, um so Umsätze und Gewinne aufzublähen. Das Unternehmen sollte erfolgreicher und finanzkräftiger erscheinen, um sich so von Banken sowie Investoren Milliarden zu erschleichen.

Die jüngsten, bislang geheim gehaltenen Aussagen von Oliver B. zur Herkunft seines Stiftungsgeldes lassen einiges davon allerdings in einem etwas anderen Licht erscheinen. Demnach war das Drittpartnergeschäft möglicherweise…