In einer live im Fernsehen übertragenen Rede vor dem Parlament in Addis Abeba räumte Abiy Ahmed nach wochenlangen Dementis erstmals ein, dass das Nachbarland Eritrea in den seit fünf Monaten andauernden Konflikt in der nordäthiopischen Provinz Tigray verwickelt ist. Eritreas Armee habe die Grenze überschritten, sich innerhalb von Äthiopien bewegt und Menschen Schaden zugefügt, sagte der Regierungschef. „Wir werden das nicht akzeptieren.“ Äthiopien habe eine Delegation geschickt, um das Thema mit Eritrea zu besprechen.

Eritrea nannte demnach als Begründung die Wahrung seiner eigenen Sicherheit. Man wolle die Grenzgebiete kontrollieren, während die äthiopischen Streitkräfte die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) verfolgten.

Experten bewerten das anders, ihnen zufolge kamen die eritreischen Soldaten auf Einladung Abiys, um die äthiopischen Kräfte in Tigray zu unterstützen. Äthiopien wurde jahrzehntelang von der aus Tigray stammenden Volksgruppe regiert; in dieser Zeit war es mit Eritrea verfeindet. Abiy ist der erste Nicht-Tigreer seit langem an der Macht, er beendete die Fehde mit dem Nachbarn und wurde dafür mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Die Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und Amnesty International hatten bereits zahlreiche Belege für eritreische Verwicklungen in Massaker in präsentiert. Laut Abiy will nun die Regierung Eritreas diese Vorwürfe aufarbeiten. In Tigray sind seit Beginn der Kämpfe Tausende Zivilisten getötet worden, Hunderttausende wurden vertrieben.

Abiy: Kein Krieg mit Sudan

Mit Blick auf wachsende Spannungen mit dem Nachbarland Sudan betonte Abiy in seiner Rede, keine kriegerische Auseinandersetzung zu wollen: „Äthiopien hat viele Probleme, und wir sind nicht bereit, in den Kampf zu ziehen. Wir brauchen keinen Krieg.“

In dem Grenzkonflikt geht es um die landwirtschaftlich geprägte Region Al-Fashaqa, die sowohl von Äthiopien als auch vom Sudan beansprucht wird. Der Konflikt um die fruchtbare Region hatte sich…