Gegen ein Uhr geht es dann endlich weiter. Ein Uhr nachts, wohlgemerkt.

»Guten Morgen allerseits«, sagt die Kanzlerin Teilnehmern zufolge zur Begrüßung. Knapp sieben Stunden war die Video-Ministerpräsidentenkonferenz mit Angela Merkel unterbrochen, nun sind alle wieder zurück an den Bildschirmen.

Mitten in der Nacht.

Dass es überhaupt nochmal weitergeht, ist fast schon eine Überraschung. Unbedingt wolle man die Sache fortsetzen, hieß es zwar von allen Seiten während der Unterbrechung, in der Merkel dem Vernehmen nach vor allem mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als stellvertretender Vorsitzender der MPK, Vizekanzler Olaf Scholz und dem Regierenden Bürgermeister und MPK-Chef Michael Müller (beide SPD) beriet. Doch mit jeder Stunde, die die Pause andauerte, stieg auch die Wahrscheinlichkeit, dass man dieses Mal nicht mehr zusammen kommt.

Allerdings wäre es wohl endgültig die politische Bankrotterklärung im Management dieser Krise gewesen. Und das wollte dann doch niemand.

Als die Runde zehn Stunden zuvor virtuell zusammentritt, ist es Montagnachmittag. Dass Deutschland bereits mitten in der dritten Coronawelle steckt, darüber gibt es unter den Teilnehmern der Runde zum Wochenbeginn keinen Dissens. Wohl aber über die Frage, wie dramatisch die Situation wirklich ist – und wie man nun weiter vorgehen soll. Zusätzliche Lockerungen? Das findet längst nicht jeder Länder-Regierungschef ausgeschlossen.

Kanzleramtschef Helge Braun, so wird berichtet, präsentiert der Runde zu Beginn eine Grusel-Grafik nach der anderen, um den Ernst der Lage zu betonen. Aber das Problem nach gut anderthalb Dutzend Corona-Ministerpräsidentenkonferenzen mit Braun und der Kanzlerin ist eben auch: Mancher kann es einfach nicht mehr hören und sehen. Das ewige Warnen und Mahnen der CDU-Regierungschefin und ihres Getreuen haben sich abgenutzt. Andererseits haben der Mediziner Braun und die Physikerin Merkel die Fakten und Zahlen ja immer noch auf ihrer Seite.

Aber…