In Italien gibt es erneut Tauziehen um ein festgesetztes deutsches Hilfsschiff: Die italienische Küstenwache hält das private Rettungsschiff »Sea-Watch 3« im sizilianischen Hafen von Augusta fest, wie die Betreiber am Montag bestätigten.

Es habe am Sonntag eine Sicherheitskontrolle der Behörden gegeben, erläuterte eine Sea-Watch-Sprecherin in Deutschland. Italien habe zum Beispiel bemängelt, dass das Schiff entsprechend der Besatzungszahl nur zur Beförderung von gut 20 Menschen ausgestattet sei. Die »Sea-Watch 3« hatte Anfang März mehr als 350 im Mittelmeer aus Seenot gerettete Migranten in den sizilianischen Hafen gebracht.

Italienischen Kontrolleure halten immer wieder Rettungsschiffe in Häfen fest. Sie machen dabei Sicherheitsmängel und andere Regelverstöße geltend. Die verschiedenen betroffenen Hilfsorganisationen stufen das Vorgehen als Schikane ein, mit der ihre Einsätze im Mittelmeer behindert werden sollen. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos bemängelten die Behörden am Sonntag auch, dass die »Sea-Watch 3« den Kai und die Hafengewässer mit Öl verschmutzt habe.

Eine Sea-Watch-Sprecherin kündigte an, dass die Organisation mit Sitz in Berlin rechtlich gegen die Blockade vorgehen will.

Die »Sea-Watch 3« war im Sommer 2020 mit ähnlichen Begründungen wie jetzt über Monate in Italien in eine Zwangspause geschickt worden. Das Schiff war 2021 nach einer Überholung auf neue Missionen gefahren. Der Betreiberorganisation zufolge hatten deutsche und spanische Behörden die Schiffssicherheit bestätigt. Ein Gericht in Palermo in Sizilien hatte Anfang März das ebenfalls länger festgehaltene Schiff »Sea-Watch 4« vorläufig freigegeben.

Politisch sind die Rettungseinsätze ziviler Organisationen im Mittelmeer umstritten. Italiens ehemaliger Innenminister Matteo Salvini sperrte sich 2019 gegen die Aufnahme von Flüchtlingen auf dem Rettungsschiff »Open Arms«. Nun soll er dafür vor Gericht.

Icon: Der Spiegel