Es war eine kaum verhüllte Kampfansage an die britische Regierung: Man werde »alle möglichen Instrumente nutzen«, um Gerechtigkeit im Impfstoffhandel herzustellen, sagte Ursula von der Leyen vergangene Woche. Mehr als 41 Millionen Dosen habe die EU in alle Welt exportiert, davon allein zehn Millionen an Großbritannien. Zurückgekommen sie von der Insel bislang: nichts. Das, so die EU-Kommissionspräsidentin, werde man nicht länger hinnehmen. Es gelte »Reziprozität« herzustellen, notfalls mit Exportverboten.

Das Problem: Dazu müsste die EU-Kommission womöglich Maßnahmen ergreifen, bei denen viele Mitgliedsländer nicht mitmachen wollen.

In dem Streit spielt AstraZeneca eine unrühmliche Hauptrolle. Der britisch-schwedische Impfstoffhersteller hat nach Angaben der Kommission bisher nur etwa 30 der 120 Millionen Dosen geliefert, die er der EU für das erste Quartal vertraglich zugesichert hatte. Im zweiten Quartal sollen es 70 statt 180 Millionen Dosen sein, zumindest nach aktueller Planung. »Aber das glaubt auch keiner«, sagt ein Kommissionsmitarbeiter. »Wenn AstraZeneca Zahlen nennt, holt niemand mehr den Kugelschreiber heraus. Die werden nur noch mit Bleistift notiert.«

Der Grund für die verminderte Liefermenge: Der Vertrag zwischen AstraZeneca und der britischen Regierung sieht angeblich vor, dass Großbritannien das erste Anrecht auf die Impfstoffe hat. Die EU hält dem entgegen, AstraZeneca habe sich auch ihr gegenüber zur Lieferung verpflichtet – aus vier Werken, von denen zwei in Großbritannien liegen.

Die britische Regierung will aber offenbar nicht nur nichts an die EU exportieren – sondern sogar noch Millionen weitere Impfstoffdosen von dort importieren.

Die britische Regierung ist alarmiert

In den Fokus rückt jetzt das Werk des AstraZeneca-Auftragnehmers Halix im niederländischen Leiden. Es hat offiziell noch keine Zulassung von der EU-Arzneimittelbehörde EMA. Dennoch, so heißt es aus EU-Kreisen, werde dort schon länger der…