In den USA impfen sie in einem Tempo, von dem Deutschland nur träumen kann. In umfunktionierten Stadien, auf Parkplätzen, in Drogerien und Supermärkten wird das ganze Land immunisiert. Bislang wurden in den USA mehr als 75 Millionen Impfdosen verabreicht, in der gesamten EU sind es erst 30 Millionen, in Deutschland insgesamt gerade mal gut zehn Millionen.

Dass die USA so schnell impfen, mag zum Teil daran liegen, dass sie sich nicht von unnötiger Bürokratie ausbremsen lassen, dass sie den Prozess nicht verkomplizieren. Es liegt aber vor allem daran, dass die Amerikaner ausreichend Impfstoff im Land haben, den sie nicht wieder hergeben wollen.

US-Präsident Joe Biden hat das De-facto-Ex­port­ver­bot für Impf­stoffe seines Vorgängers beibehalten. Beim Impfen gilt auch für den Nachfolger von Donald Trump: America first.

Und Europa? Hier setzt man prinzipiell weiter auf Bündnisse.

Indes hat AstraZeneca die Mengen des an die EU gelieferten Impfstoffs immer weiter reduziert. Eigentlich sollten es bis Ende März 90 Millionen Dosen sein. Daraus wurden 40 und zuletzt sogar nur noch 30 Millionen Dosen. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen klagte kürzlich, dass AstraZeneca bisher weniger als zehn Prozent der vereinbarten Impfstoffmenge geliefert habe.

Schon bevor die Impfungen mit AstraZeneca in vielen EU-Ländern, darunter Deutschland, zunächst ausgesetzt wurden, ist der Druck auf die Europäer gewachsen, aggressiver vom Exportkontrollmechanismus Gebrauch zu machen, den die Kommission im Januar eingeführt hat – mit der offiziellen Begründung, lediglich einen Überblick über die aus der EU ausgeführten Impfstoffmengen zu erhalten.

Das gilt nun, in der neuen Lage, umso mehr. Schließlich ist AstraZeneca nicht der einzige in der EU hergestellte Impfstoff.

Der Kontrollmechanismus geht so: Die Hersteller müssen Exporte bei den zuständigen Behörden der EU-Staaten anmelden, aus denen die Impfstoffe ausgeführt werden sollen. Verbieten sie die Ausfuhr, kann…