Der Chef der staatlichen KfW-Bankentochter Ipex, Klaus Michalak, schien die Brisanz des Telefonats erkannt zu haben. Fünf vor zwölf Uhr mittags, am 23. Juni vergangenen Jahres, schrieb er deshalb eine E-Mail an seine Vorgesetzten, um sie über ein Gespräch zu informieren, das der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Jörg Kukies, mit ihm führen wollte. »Herr Kukies hat mich für heute, 14 Uhr um ein Telefonat gebeten«, so beginnt er seine E-Mail.

Michalak machte das Ansinnen des mächtigen Finanzstaatssekretärs sichtlich nervös. Man habe ihn bereits »vorgewarnt«, schrieb er, was Kukies bei dem Telefonat für Absichten verfolge: Das Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium sollen darüber nachdenken, »für Wirecard eine ›deutsche Lösung‹« zu finden.

Offensichtlich ging es darum, dass die Bundesregierung die Insolvenz und das Ausschlachten von Wirecard durch ausländische Finanzfirmen verhindern und neue Kredite vergeben wollte – per Anweisung an die Ipex-Bank. »Herr Kukies will mit uns wohl diskutieren, ob wir nicht nur stillhalten können, sondern ggf. unser Engagement noch aufstocken würden«, teilte Michalak der KfW-Spitze, darunter deren Chef Günther Bräuning, mit.

Finanzministerium verschweigt brisantes Telefonat

Vieles an diesem Telefonat ist politisch äußerst heikel für Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und dessen Staatssekretär Kukies: Zunächst einmal hat das Ministerium diesen Vorgang auch nach Monaten, in dem der Untersuchungsausschuss in dem Skandal um den kollabierten Finanzdienstleister Wirecard ermittelt, dem Parlament und der Öffentlichkeit verschwiegen. Die E-Mail des Ipex-Chefs Michalak, die dem SPIEGEL vorliegt, findet sich unter hoher Geheimhaltungsstufe in einem besonders gesicherten Raum im Bundestag. Dort dürfen die Abgeordneten weder Handy noch Notizblock mitnehmen.

Normalerweise würde die Öffentlichkeit also wohl nie von diesem Telefonat erfahren. Und das dürfte wohl auch im Sinne des Finanzministeriums…