SPIEGEL: Herr Kutschaty, die SPD hat die Wahl in Rheinland-Pfalz gewonnen, kommt in Baden-Württemberg aber nur noch auf 11 Prozent. Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Kutschaty: Alles ist offen. Eine Aufholjagd ist möglich, wie Malu Dreyer bewiesen hat. Und selbst im schwarzen Baden-Württemberg sind Mehrheiten diesseits der Union möglich.

SPIEGEL: In Rheinland-Pfalz sieht man, dass die SPD noch Wahlen gewinnen kann, wenn eine nahbare, populäre Frau zur Wahl steht. Also das Gegenteil von Olaf Scholz.

Kutschaty: Winfried Kretschmann hat seine Wahl auch gewonnen.

SPIEGEL: Der ist bei den Grünen und ebenfalls ein Sympathieträger. Anders als Scholz.

Kutschaty: Das sehe ich anders. Hätten Sie 2005 gedacht, dass Angela Merkel 16 Jahre lang Bundeskanzlerin bleibt? Aber sie tritt einfach und geradlinig auf. Und das macht Olaf Scholz auch. Gerade in Krisenzeiten wollen die Menschen keinen Showman an der Spitze einer Bundesregierung, sondern jemanden, der verlässlich ist und bewiesen hat, dass er ein Land regieren kann.

Zur Person

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Foto: Johannes Neudecker / dpa

Thomas Kutschaty, 53, ist Fraktions- und Landesvorsitzender der SPD Nordrhein-Westfalen. Von 2010 bis 2017 war er Landesjustizminister. Nach der verlorenen Landtagswahl 2017 sicherte der Jurist sich in einer Kampfabstimmung den Fraktionsvorsitz im Landtag. Anfang März wählte die NRW-SPD Kutschaty auf einem digitalen Parteitag zum neuen Landeschef, eine Briefwahl besiegelte das Ergebnis.

SPIEGEL: Ist die Ampel aus SPD, FDP und Grünen ein Modell für den Bund?

Kutschaty: Auf jeden Fall. Es kommt darauf an, wie beweglich die FDP ist. Ich verstehe auch Christian Lindner so, dass er sich das vorstellen kann. Alle drei Parteien müssten bereit sein, Kompromisse zu machen.

SPIEGEL: Was ist mit Rot-Rot-Grün?

Kutschaty: Sondieren sollten wir ein solches Bündnis auch, wenn es dafür reicht. Bei der Linken kommt es darauf an, wie verlässlich die Partei am Ende ist. Entscheidend ist aber:…