Der Schlechte-Laune-Minister

Sieben von mehr als 1,6 Millionen. So viele Fälle der seltenen, sogenannten Sinusvenenthrombose hat es in Deutschland bisher bei Menschen gegeben, die mit AstraZeneca geimpft worden sind. Prozentual ist das kaum messbar, dennoch hat Jens Spahn den Einsatz der Vakzinen vorläufig gestoppt (lesen Sie hier, was genau hinter dem Impfstopp steckt).

Ist das nun übervorsichtig, wie ihm gefühlt die ganze Corona-müde Republik vorhält? Verschleppt der Gesundheitsminister grundlos weiter die ohnehin zähe Impfkampagne in Deutschland? Sorgt er dafür, dass den ohnehin schlecht beleumundeten Impfstoff, sollte er zugelassen bleiben, am Ende niemand mehr haben will?

Nun ja, hätte Spahn die Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts in den Wind geschlagen, hätten sich wohl rasch ebenfalls viele Kritiker gefunden und gerufen: Wie kann er nur?!

Dennoch: Dass der Minister in der Angelegenheit – mal wieder – unglücklich aussieht, hat er sich auch – mal wieder – selbst zuzuschreiben. Über die möglichen Thrombose-Risiken wird seit Tagen diskutiert, mehrere Länder hatten bereits die Notbremse gezogen. Es war also denkbar, dass Deutschlands Impfexperten ihre bisher abwartende Haltung zu AstraZeneca jederzeit revidieren könnten.

Trotzdem betonte Spahns Ministerium noch am Morgen, man impfe weiter. Und der Minister selbst, so erzählen es Teilnehmer, schwärmte zeitgleich im CDU-Präsidium von den ach so tollen Impffortschritten in Deutschland, über die man nur lauter reden müsse, damit das Volk sie endlich erkenne. In jeder Familie sei inzwischen jemand geimpft, in den Impfzentren habe er gut gelaunte Menschen angetroffen.

Willkommen im fröhlichen Impf-Paralleluniversum des Jens Spahn.

Im echten Leben verkündete ein gar nicht so gut gelaunter Gesundheitsminister wenige Stunden später den Astra-Stopp, während mancher über den Familienstammbaum gebeugt noch immer nach der möglicherweise geimpften Großtante dritten Grades fahndete und hoffnungsvollen Impflingen…