von Dieter Hoß

16.03.2021, 19:54 Uhr

Nicht nur bei der Union drängt die K-Frage. Auch die Grünen haben sich bisher nicht erklärt. Das Mantra: Annalena Baerbock und Robert Habeck machen das unter sich aus. Dabei spricht alles dafür, dass es nur eine Antwort geben kann.

Der Schritt war ungewöhnlich und ließ dementsprechend aufhorchen: Als sich nach dem vergangenen Wahlsonntag die übliche „Berliner Runde“ der Partei-Generalsekretäre zur Analyse versammelte, war da ein ungewohntes Gesicht. Die Grünen wurden – anders als sonst – durch ihre parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann vertreten. Eigentlich hätte dort Michael Kellner sein müssen, doch der verzichtete zugunsten Haßelmanns, damit „nicht nur Männer am Wahlabend diskutieren“, sagte er via Twitter zur Begründung. Nicht nur ZDF-Moderator Theo Koll wollte da gleich ein Muster erkennen: Wenn die Grünen so argumentieren, dann wird Annalena Baerbock logischerweise Kanzlerkandidatin.

Überinterpretiert? Vielleicht. Und natürlich ließ sich Haßelmann nichts entlocken. Doch eines lässt sich ja nicht leugnen: Dass Angela Merkel nicht wieder kandidiert, setzt die Grünen in der K-Frage durchaus unter Zugzwang – auch, wenn sie das nicht zugeben wollen. Die Union wird einen Mann nominieren, so viel steht fest, die Frauenrolle ist daher unbesetzt. Kann in dieser Situation ausgerechnet jene Partei, die die Doppelspitze erfunden hat, und die sich wie keine andere Gleichberechtigung, Integration und Inklusion auf die Fahnen geschrieben hat, dafür sorgen, dass Deutschlands Wähler:innen einmal mehr nur die Wahl unter Männern haben? Noch dazu bei der ersten Chance aufs Kanzleramt überhaupt?

Annalena Baerbock: Spielt sie die Frauenkarte, „dann hat sie’s“

Das müssten die Grünen im Wahlkampf ganz sicher nicht nur einmal erklären. Ein hausgemachtes Glaubwürdigkeitsproblem; die Wahlkampfstrategen der…