Es war eine beispiellose Aktion: Nach Beginn der Corona-Pandemie hat die Bundesregierung die größte Rückholaktion ihrer Geschichte gestartet und Tausenden gestrandeten Reisenden die Rückkehr ermöglicht. Die Betroffenen sollen sich an den Kosten beteiligen. Doch gut ein Jahr nach Beginn der Aktion sind noch Tausende Rechnungen offen.

Bisher hat die Bundesregierung 17,9 Millionen Euro von den Passagieren abkassiert – ein Fünftel der Gesamtkosten. Ziel ist es, sich etwa das Doppelte von den 67.000 wegen der Coronakrise gestrandeten Deutschen und EU-Bürgern zurückzuholen, die von der Regierung zurückgebracht wurden.

Etwa 21.000 Rechnungen wurden aber noch gar nicht verschickt, wie die Nachrichtenagentur dpa aus dem Auswärtigen Amt erfuhr. Begründet wird das mit dem großen bürokratischen Aufwand und den erschwerten Arbeitsbedingungen wegen der Corona-Pandemie.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte die Aktion am 17. März 2020 – an diesem Mittwoch vor genau einem Jahr – zusammen mit Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften gestartet, nachdem viele Länder kurzfristig Grenzen geschlossen und Flugverbindungen gekappt hatten. Insgesamt wurden etwa 240.000 Reisende zurückgebracht. Die Reiseveranstalter flogen die Touristen, die bei ihnen gebucht hatten, selbst kostenlos aus.

Etwa 67.000 Menschen aus rund 65 Ländern zurückgebracht

Für Individualreisende und andere Rückkehrwillige charterte das Auswärtige Amt Maschinen, die 260 Flüge absolvierten und bis Ende April rund 67.000 Menschen aus rund 65 Ländern zurückbrachten. Ab Juni werden die Rückkehrer zur Kasse gebeten. Die Gesamtkosten wurden damals auf 93,8 Millionen Euro geschätzt, knapp 40 Prozent davon sollen von den Flugpassagieren selbst übernommen werden. Die veranschlagten Ticketpreise liegen etwa im Bereich günstiger Economy-Tickets für die jeweiligen Regionen.

Bis zum vergangenen Freitag sind dem Auswärtigen Amt zufolge rund 34.953 Zahlungsbescheide an Passagiere aus Deutschland verschickt…