Die Mutationen des Coronavirus stellen Deutschland vor eine große Aufgabe, denn mit ihrer Ausbreitung hat der Kampf gegen Sars-CoV-2 eine neue Stufe erreicht. Wenn Infektionen mit der Variante B.1.1.7 derzeit ständig zunehmen und andere Varianten verdrängen, dann folgt das Virus damit gewissermaßen dem Gesetz der Natur.

Es nutzt seinen Vorteil, den es gegenüber den schwächeren Varianten hat. B.1.1.7 ist nicht nur ansteckender als der sogenannte Wildtyp des Coronavirus – nach Angaben des Robert Koch-Instituts finden sich Spuren dieser Variante in rund 46 Prozent aller untersuchten Patientenproben. Es führt entgegen ersten Untersuchungen wohl auch zu schwereren Verläufen und mehr Todesfällen.

Was Forscher bei B.1.1.7 überrascht, ist nicht die Veränderung des Viruserbguts an sich. Ungewöhnlich scheint das Tempo der Veränderungen, Coronaviren mutieren im Vergleich zu anderen Viren eher langsam. Die britische Variante weist fast zwei Dutzend Veränderung zu der Form aus, die erstmals in China identifiziert wurde. 17 davon hätten sich auf das Spike-Protein ausgewirkt, mit dem das Virus an die menschlichen Zellen andockt, berichtete das Genomics UK Consortium aus Großbritannien kürzlich. Wie ist das möglich?

Die wahrscheinlichste Erklärung liegt darin, dass sich das Virus irgendwann im Körper einer Person einnisten konnte, die über ein schwaches Immunsystem verfügte. Die Viren haben dort mehr Zeit sich zu verändern, als bei Menschen, die aufgrund eines intakten Immunsystems die Infektion schneller überstehen. Manchmal verlaufen Virusinfektionen dann chronisch. Das konnten Forscher auch bei Covid-19 zeigen.

Ein Team um Ravindra Gupta von der University of Cambridge hatte beispielsweise einen 70-jährigen Mann behandelt, der an Krebs litt und bei dem die Infektion nach Ansicht der Forscher chronisch verlief. Infolge der Schwächung durch die Erkrankung und die Behandlung war sein Immunsystem nicht in der Lage, gegen das Virus erfolgreich anzukämpfen. Er starb…