Das Aussetzen der Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin hat weitreichende Folgen: Die Impfkampagne in Deutschland verzögert sich, die Hausärzte werden voraussichtlich erst später impfen können, das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfstoff nimmt vermutlich weiter ab. Und – nicht zuletzt: Es werden sich mehr Menschen mit Sars-Cov-2 anstecken, weil sie nicht geschützt sind. Einige von ihnen werden sterben.

Zwei Risiken stehen bei der Bewertung der Lage einander gegenüber: Die Gefahr, gesunden Menschen durch eine Impfung zu schaden und das Risiko, an Covid-19 zu erkranken. Wie lassen sich die beiden Gefahren einordnen und gegeneinander abwägen?

Das in Deutschland für die Zulassung und Überwachung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat dem Bundesgesundheitsministerium geraten, mit der Impfungen zu pausieren. Die Begründung: »In sieben Fällen (Stand 15.03.2021) wurde in zeitlichem Zusammenhang mit einer Impfung mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca eine spezielle Form von schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen in Verbindung mit einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutungen festgestellt.«

Frauen bekommen häufiger Sinusvenenthrombosen

In ganzen Zahlen bedeutet das: Insgesamt wurden dem PEI sechs Menschen gemeldet, die eine Sinusvenenthrombose erlitten hatten, eine Person hatte Hirnblutungen durch einen Mangel von Blutplättchen. Drei der Betroffenen starben. Bei 1,6 Millionen Geimpften in Deutschland entsprächen sieben Fälle insgesamt circa vier Fällen pro einer Million Geimpfter seit Start der Impfungen Anfang Februar.

In der Normalbevölkerung – also ganz unabhängig von Impfungen – kommen Sinusvenenthrombosen sehr selten vor, das ist unbestritten. Allerdings schwanken die Zahlen unterschiedlichen Untersuchungen zufolge relativ stark. Während auf der einen Seite von zwei bis fünf Fällen pro eine Million Menschen im Jahr berichtet wird, legen andere Untersuchungen nahe, dass die venösen Blutgerinnsel im Gehirn bei 13 oder…