Zur Person

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Foto: Jacqueline Hirscher

Leif Erik Sander, 43, leitet an der Charité Berlin die Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung. Zuvor hat er unter anderem am Mount Sinai Hospital in New York und der Uniklinik RWTH Aachen gearbeitet. Er ist Träger des Theodor-Frerichs-Preises der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

SPIEGEL: Professor Sander, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat empfohlen, die AstraZeneca-Impfung wegen eines erhöhten Risikos für bestimmte Thrombosen auszusetzen. Teilen Sie die Bedenken?

Sander: Für eine genaue Einschätzung bräuchte man noch detailliertere Daten. Nach Angaben von PEI-Chef Cichutek wurden bei etwa 1,6 Millionen Geimpften in Deutschland sieben Fälle von sogenannten Sinusvenenthrombosen gemeldet. Das heißt, dies wäre eine sehr seltene Komplikation – allerdings ist noch nicht hundertprozentig geklärt, ob es sich um eine direkte Folge der Impfungen handelt, auch wenn einige Indizien darauf hindeuten.

SPIEGEL: Wie meinen Sie das?

Sander: Es wäre auch noch denkbar, dass es sich um eine gewisse statistische Verzerrung handelt. Normalerweise treten in der Gesamtbevölkerung pro Jahr etwa fünf bis sechs solcher Hirnvenenthrombosen pro einer Million Einwohner auf. Frauen erkranken allerdings drei- bis viermal häufiger daran als Männer. Und vor allem betroffen sind junge Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Den AstraZeneca-Impfstoff haben als Erstes vor allem MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen bekommen, also überdurchschnittlich viele junge Frauen. Daher muss man hier wahrscheinlich auch eine andere Hintergrundinzidenz für diese Personengruppe annehmen.

SPIEGEL: Das heißt, diese Betroffenen wären womöglich auch so erkrankt?

Sander: Nein, das kann man so nicht sagen. Aber das Ausmaß der jetzt vermuteten Häufung ist vielleicht nicht so hoch, wenn man bedenkt, dass die Inzidenz von Sinusvenenthrombosen in dieser Personengruppe ohnehin höher ist. Allerdings ist das…