von Ellen Ivits

16.03.2021, 16:44 Uhr

Nach drei Tagen der Ungewissheit steht fest: Alexej Nawalny ist in das berüchtigte Straflager IK 2 verlegt worden. Die Kolonie gehört zu den gefürchtetsten Haftanstalten Russlands. Ehemalige Häftlinge berichten über perfide psychische Folter und physische Misshandlungen. 

Seine Anhänger und Unterstützer haben es befürchtet. Nun ist aus der Furcht eine Tatsache geworden: Alexej Nawalny befindet sich in einem der brutalsten Straflager Russlands. Wenn es nach dem Willen der russischen Justiz geht, wird der führende Oppositionspolitiker des Landes die nächsten zweieinhalb Jahre seines Lebens in der Justizvollzugskolonie Nr. 2 der Föderalen Strafvollzugsbehörde der Region Wladimir, kurz IK 2 oder Pokrowskaja-Kolonie genannt, verbringen.

Nachdem weder seine Angehörigen noch Juristen drei Tage lang über seinen Aufenthaltsort im Bilde waren, teilte Nawalny am vergangenen Montag über seine Anwälte mit, dass er in das berüchtigte Gefängnis verlegt wurde. „Grüße an alle aus dem Sektor der besonderen Kontrolle A. Ich muss zugeben, dass mich das russische Gefängnissystem überrascht hat. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, ein echtes Konzentrationslager nur 100 Kilometer von Moskau entfernt, zu errichten“, ließ er die Welt in der ihm eigenen lakonischen Manier wissen. 

Den Anwälten Nawalnys war es nach mehreren Stunden Wartezeit gelungen, zu ihrem Mandanten vorgelassen zu werden. „Heute haben wir uns mit ihm getroffen. Er ist jetzt in Quarantäne“, teilte die Anwältin Olga Mikhailowa laut der Nachrichtenagentur Interfax mit. Außer Nawalny befänden sich fünf weitere Gefangenen in der sogenannten Quarantäne, die für alle Neuankömmlinge vorgeschrieben ist. Nach zwei Wochen werde der Politiker in die allgemeine Zone der Haftanstalt verlegt, erklärte sein Anwalt Wadim Kobzew weiter.