Eine Revolution dauert manchmal nur ein paar Stunden. Mal zieht sie sich auch über Tage, Wochen oder Monate hin. In Baden-Württemberg halten die politischen Umwälzungen jetzt schon zehn Jahre an.

Die Farbe der Revolutionäre ist Grün, ihr Anführer heißt Winfried Kretschmann. Bei der Landtagswahl hat er ein weiteres Mal Geschichte geschrieben. Mit 32,6 Prozent fährt er das für seine Partei historisch beste Ergebnis ein und baut den Spitzenplatz im Ländle weiter aus.

Die Grünen haben 58 der 70 Wahlkreise in Baden-Württemberg direkt gewonnen, die CDU nur 12. Mittlerweile ist fast die ganze Landkarte grün, der Großraum Stuttgart, rund um den Bodensee, die badische Rheinschiene.

Die Christdemokraten erhielten dagegen nur 24,1 Prozent der Stimmen, auch das ist historisch – ein Tiefpunkt. »Die Wahlniederlage ist für die CDU bitter, tragisch, schlimm«, sagt Nicole Razavi, 55, die seit 2006 für die Christdemokraten im Landtag sitzt und Mitglied des Landesvorstands ist. Sie konnte ihr Direktmandat im Wahlkreis Geislingen in einem Kopf-an-Kopf-Rennen nur knapp verteidigen.

Jetzt gibt sie sich kämpferisch: »Wir wollen die Politik im Land weiter mitgestalten. Das ist CDU-DNA.« Und: »Wir sind zur Koalition bereit.«

Doch ob die Christdemokraten auch in der kommenden Legislaturperiode auf der Regierungsbank sitzen werden, haben sie nicht mehr in der Hand. Darüber entscheiden allein Kretschmann und die Grünen.

Der Ministerpräsident hat so viele Optionen wie nie zuvor. Nur für zwei Konstellationen reicht es knapp nicht: für ein Bündnis aus Grünen und FDP, »Limetten-Koalition« genannt und für Grün-Rot.

Ansonsten heißt es für Kretschmann: Alles kann, nichts muss.

Am Wahlabend sprach der Ministerpräsident von einem »produktiven Ausgangsverhältnis«, gab aber auch zu verstehen, dass dies »kein einfacher Abwägungsprozess« für ihn sei. Die Landes-Grünen können nun ganz gelassen die eigenen Ziele bei den Großthemen Ökologie, Bildung oder Wirtschaft…