Am Ende war es wohl wieder die Spitzenkandidatin, die den Ausschlag gab: Malu Dreyer ist im Land beliebt, sie gilt als kompetent, sozial, nahbar, zupackend und bienenfleißig. Die sozialdemokratische Regierungschefin hat ihr Bundesland bislang auch ordentlich durch die Coronakrise gesteuert. Rheinland-Pfalz gehörte beim Impftempo oder bei Schnelltests oft zur Spitzengruppe, die Inzidenzen sind noch immer einigermaßen niedrig.

Dreyer hat von der Krise profitiert. Als Ministerpräsidentin genießt sie seit einem Jahr eine Dauerpräsenz in den Medien, erklärt Corona-Maßnahmen und Verhandlungsergebnisse nach Konferenzen mit der Kanzlerin.

Ihr Gegenkandidat Christian Baldauf, im Land nur mäßig bekannt, hatte gegen diesen Malu-Effekt wenig Chancen. Sein Wahlkampf war solide, aber zu blass, um unter Corona-Bedingungen auf sich aufmerksam machen zu können. Und dann kam ihm im Endspurt auch noch die Maskenaffäre raffgieriger Parteifreunde in die Quere.

Aber der Wahlausgang in Rheinland-Pfalz ist nicht nur ein Beleg dafür, dass eine populäre Kandidatin die bundesweit schwer gebeutelte SPD bei einer wichtigen Wahl wieder auf das Prozentniveau einer Volkspartei hieven kann. Er ist zudem der Erfolgsnachweis einer bisher selten erprobten und nun zunehmend diskutierten politischen Konstellation: Erstmals in Deutschland sei eine rot-grün-gelbe Ampelkoalition auf Landesebene in Deutschland bei einer Wahl bestätigt worden – darauf hat FDP-Chef Christian Lindner am Wahlabend sicher nicht zufällig hingewiesen.

»Erfolgsmodell« von SPD, FDP und Grünen im Land

Momentan deutet viel darauf hin, dass die seit 2016 regierende Ampel in Mainz auch in den nächsten fünf Jahren weitermachen kann. Schon im Wahlkampf hatte das Führungspersonal von SPD, FDP und Grünen im Land keinen Zweifel daran gelassen, dass sie sich in dem Bündnis wohlfühlen und sich eine Verlängerung sehr gut vorstellen könnten. Dreyer sprach am Wahlabend von einem »Erfolgsmodell«, an dem sie festhalten…