Seit zehn Jahren herrscht jetzt in Syrien Krieg. Mehr als 500.000 Menschen wurden getötet. Mehr als 13 Millionen sind geflohen.

Was im Zuge des sogenannten Arabischen Frühlings als friedlicher Protest gegen das autoritäre Assad-Regime begann, wurde schnell zu einem unübersichtlichen Kampf um Boden und Einflussnahme zwischen radikalen Gruppierungen und auch ausländischen Interessenvertretern.

Vor den bewaffneten Kämpfen, Bombenabwürfen und Giftgasanschlägen floh auch Adham Alfiad. Und das sogar zweimal. 2012, mit 20 Jahren, flüchtet er mit seiner Familie in den Libanon, bricht sein Studium der englischen Literatur in Damaskus ab. 2015 kehrt Alfiad kurz nach Syrien zurück, um sein Studium zu beenden. Doch der Krieg tobt noch immer. Er flieht erneut, diesmal mit dem Ziel Deutschland.

Adham Alfiad, Psychologie-Student
»Ich habe fünfmal versucht, von der Türkei nach Griechenland zu gehen und es war unfassbar schwierig.«

Er versucht es über die Balkanroute, so wie Zehntausende andere in diesem Jahr 2015. Er muss mehrere Grenzen passieren, läuft von Griechenland durch Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich.

Adham Alfiad, Psychologie-Student
»Also es hat ungefähr 19 Tage, glaub ich, gedauert.«

Von seinem ersten Tag in Berlin hat er noch dieses Foto vom Alexanderplatz. Heute ist Adham Alfiad 29 Jahre alt und studiert in Potsdam Psychologie – auch wegen seiner eigenen Geschichte.

Adham Alfiad, Psychologie-Student
»Es gibt viele Leute, die Hilfe brauchen und vielleicht würden sie das sehr gut finden, wenn jemand, der Arabisch spricht, Psychologe oder Psychotherapeut wird, und der gleichzeitig auch hier ausgebildet ist.«

Wie fühlt es sich an, als junger Mann aus der Ferne den Bürgerkrieg in dem Land mitzuverfolgen, in dem man aufgewachsen ist? Die immer weitergehende Zerstörung zu sehen?

Adham Alfiad, Psychologie-Student
»Man hat angefangen, Freunde zu verlieren, zum Beispiel. Man merkt, ok, diese Person ist weg, diese Person ist gestorben, diese Person ist…