Premier Mark Rutte gilt in den Niederlanden als »Teflon-Staatsoberhaupt«: Krisen perlen an ihm ab, Koalitionspartner schrumpft er nach Belieben klein. »Er kommt immer mit allem davon«, sagt die Rutte-Biografin und »Volkskrant«-Kolumnistin Sheila Sitalsing.

In wenigen Tagen wird Rutte wohl wieder mit einem Sieg aus den Parlamentswahlen hervorgehen, denn seine rechtsliberale Partei für Freiheit und Demokratie (VVD) steht seit Wochen unangefochten auf Platz eins in allen Umfragen. Nach zehn Jahren wird Rutte so der Voraussicht nach erneut Regierungschef werden. Er habe sich erfolgreich als »Manager in der Krise« profiliert, so Sitalsing.

Weitermachen, als wäre nichts geschehen

Von Montag an wählen die Niederländer eine neue Regierung. Um den Andrang während der Coronakrise zu entzerren, bleiben die Wahllokale drei Tage lang geöffnet. Neben dem Umgang mit der Pandemie sind der Klimawandel und Wohnungsnot drängende Probleme in den Wahlprogrammen. Rutte dürfte dabei vom Regierungsbonus profitieren, so Sitalsing: Die Menschen im Land würden zurzeit Stabilität dem Wechsel vorziehen. Das Land ist seit drei Monaten im Lockdown. Etwa 16.000 Menschen starben durch Covid-19.

Doch der 54-jährige Premier geht nicht unbefleckt ins Rennen. Zuletzt hatte eine große Affäre um Beihilfen für Kinderbetreuung auch seiner Regierung einen empfindlichen Schlag versetzt. Unter seiner Führung waren jahrelang Zehntausende Eltern zu Unrecht als Betrüger dargestellt worden und mussten Geld an den Staat zurückzahlen. Wegen dieser Affäre trat die Regierung im Januar zurück. Bei der nun planmäßigen Wahl ist Rutte erneut Kandidat.

37 Parteien bewerben sich um die 150 Sitze der Zweiten Kammer auf dem Binnenhof, dem mittelalterlichen Regierungszentrum in Den Haag – ein neuer Rekord. Die Zersplitterung helfe Rutte, sagt der Amsterdamer Politologe Armèn Hakhverdian. Am äußerst rechten Spektrum wetteifern vier Parteien um etwa 20 Prozent rechte Wähler. »Aber vor allem die…