1. Die Impfpause

Jetzt hat also auch Deutschland die Impfungen mit AstraZeneca vorübergehend ausgesetzt, Frankreich und Italien zogen nach. Am Morgen hatte es aus dem Bundesgesundheitsministerium noch geheißen, man bleibe dabei, den Impfstoff weiterzuverwenden. Warum dann die Kehrtwende?

Als reine Vorsichtsmaßnahme, sagt Jens Spahn. Der Gesundheitsminister folgt einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI); die Experten dort halten weitere Untersuchungen für nötig, nachdem es neue Meldungen von Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa gab. (Antworten auf die wichtigsten Fragen hier.)

Die Entscheidung sei keine politische, sondern »rein fachlich«, sagt Spahn laut Agenturmeldungen – als ob das klar zu unterscheiden wäre. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach etwa hält die Entscheidung auf Basis der vorliegenden Daten für falsch: »Die Prüfung ohne Aussetzung der Impfung wäre wegen der Seltenheit der Komplikation besser gewesen. In der jetzt Fahrt aufnehmenden dritten Welle wären die Erstimpfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff Lebensretter«, twitterte er.

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Foto: Kay Nietfeld / dpa

Welche Risiken nehmen wir in Kauf? Ab welcher Inzidenz greift die Notbremse? Bei wie vielen Fällen gehen wir wieder in den Lockdown? All das sind politische Entscheidungen, idealerweise auf fachlicher Basis getroffen, nach Prüfung der Fakten und Abwägung der Standpunkte, nach Beratung durch die Wissenschaft. Aber es bleiben politische Entscheidungen. Ein großer Teil Europas hat sich anders entschieden als etwa Großbritannien – dort impfen sie mit AstraZeneca weiter. (Was bereits Geimpfte wissen müssen, lesen Sie hier.)

Die Pause hier wird Folgen haben: Es dauert noch länger, bis die Impfkampagne wirklich viele erreicht. Die Impfskepsis einiger könnte in Furcht umschlagen. Mehr Leute als zuvor dürften sich entscheiden, ihr Impfangebot, so es denn kommt, nicht anzunehmen. Sieben…