Das Nachrichtenportal »Myanmar Now« schrieb unter Berufung auf drei Krankenhäuser in einem Tweet von 59 Toten und 129 Verletzten allein in der ehemaligen Hauptstadt Yangon. Das Militär verhängte dort in mehreren Stadtteilen das Kriegsrecht, teilte das staatliche Fernsehen mit. Mit der Verhängung des Kriegsrechts müssen Soldaten bei Einsätzen nicht mehr auf einen Befehl der Militärführung warten, sondern können in den betroffenen Viertel schießen oder Häuser besetzen, wenn sie dies für richtig halten.

Zuvor hatte es in der ehemaligen Hauptstadt Brandanschläge auf mehrere chinesische Textilfabriken gegeben. Der chinesischen Botschaft zufolge wurden dabei zahlreiche Arbeiter verletzt. Sie forderte die Behörden auf, chinesische Geschäfte und chinesische Staatsbürger zu beschützen. Wer für die Brandanschläge verantwortlich war, ist unklar.

»Das Militär hat Angst vor der chinesischen Regierung, deshalb will es Eigentum Chinas beschützen, nicht aber die Leben von uns Zivilisten«, sagte ein Bewohner Yangons der Nachrichtenagentur dpa. Nach Schilderungen eines Demonstranten liegt die Zahl der am Sonntag Getöteten höher als offiziell bekannt, da Leichen in Krankenhäuser gebracht oder von Familien mit nach Hause genommen worden seien.

Die Militärjunta hatte nach dem Putsch vom 1. Februar einen einjährigen Ausnahmezustand verhängt. Die Demonstranten fordern die Rückkehr zu demokratischen Reformen, die Wiedereinsetzung ihrer zivilen Regierung und die Freilassung der unter Hausarrest gestellten Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Die 75-Jährige hatte die Parlamentswahl im November klar gewonnen.

Suu Kyi sollte derweil am Montag erneut von einem Gericht verhört werden. Es ist ihre dritte Anhörung per Videoschalte aus dem Hausarrest. Bei den ersten beiden Gerichtsterminen war kein Anwalt zugelassen. Der Politikerin werden mehrere Vergehen zur Last gelegt, darunter Verstöße gegen die Außenhandelsgesetze des Landes.

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