Abgerutscht in Rheinland-Pfalz, historisch schlechtes Ergebnis in Baden-Württemberg: Nach den Niederlagen bei den Landtagswahlen herrscht in der CDU hinter den Kulissen erhebliche Unruhe. Führende Christdemokraten sprachen in Sitzungen des Parteivorstandes und Präsidiums von einem Warnschuss und forderten eine grundlegende Analyse der Niederlage sowie eine Aufarbeitung der Maskenaffäre.

CDU-Chef Armin Laschet legte einen Verhaltenskodex für die Partei vor und warnte sie davor, sich Illusionen zu machen, was den Weg zur Bundestagswahl im September angehe. Es sei nicht gottgegeben, dass die CDU den Kanzler nach der Bundestagswahl im Herbst stellen werde, sagte er laut Teilnehmern in der digitalen Sitzung des Bundesvorstands: »Wir müssen kämpfen.«

Die Sitzungen von Vorstand und Präsidium waren demnach auch geprägt von massiven Angriffen auf die SPD. Laschet selbst verwahrte sich gegen Kritik des Koalitionspartners an den Unionsministern für deren Rolle in der Coronakrise. Andere Christdemokraten warfen den Sozialdemokraten vor, die Maskenaffäre parteipolitisch auszuschlachten.

Wutausbruch des Chefs der Senioren-Union

Vorhaltungen der SPD-Spitze, wonach es in der Union ein strukturelles Problem bei der Vermischung von öffentlichen Mandaten und privaten Interessen gebe, empfinde er als »ehrabschneidend«, schimpfte Generalsekretär Paul Ziemiak laut Teilnehmern.

Einen regelrechten Wutausbruch soll in der Debatte Otto Wulff gehabt haben, Chef der Senioren-Union. Mit Blick auf die SPD sagte der 88-Jährige: »Ich lasse mir nicht von solchen Flegeln sagen, die CDU neige zum Gelde.« Die Union müsse jetzt bereit sein zu kämpfen. »Ran an den Feind!«

Aus den Landesverbänden kam in den Sitzungen der Aufruf zu einer Schärfung des Profils. So forderte Christoph Ploß, Landeschef in Hamburg, die Union müsse sich schleunigst auf die großen Herausforderungen konzentrieren und einen Plan vorlegen, wie man beispielsweise mit marktwirtschaftlichen Ansätzen aus Klimaschutz…