Die Erfolgsmeldung war voreilig. Trotz aller Widrigkeiten habe man bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zweistellige Ergebnisse erzielt, teilte der Berliner AfD-Fraktionschef Georg Pazderki am frühen Sonntagabend mit.

Je mehr Stimmen ausgezählt waren, umso deutlicher wurde: zweistellig stimmte nicht. Und dass man nur »etwas verloren« habe, wie der baden-württembergische AfD-Spitzenkandidat Bernd Gögel zunächst sagte, lässt sich auch kaum mehr behaupten.

In Baden-Württemberg sackte die AfD von 15,1 Prozent auf 9,7 Prozent ab, landete hinter SPD und FDP. In Rheinland-Pfalz verlor die AfD ebenfalls deutlich und kam auf 8,3 Prozent. Vor fünf Jahren waren es noch 12,6 gewesen.

AfD-Co-Chef Jörg Meuthen verwies bei der Ursachenforschung darauf, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz kürzlich in einer internen Mitteilung die Gesamtpartei als »Verdachtsfall« im Bereich des Rechtsextremismus eingestuft hatte. Darüber berichteten mehrere Medien, auch der SPIEGEL.

Zwar hob das Verwaltungsgericht Köln bis auf Weiteres die Einstufung auf, doch aus Meuthens Sicht »assoziieren« die Wähler nun mit der AfD »aufgrund der breiten Berichterstattung die Verfassungsschutzbeobachtung«. Ähnlich äußerte sich Alice Weidel, AfD-Landesvorsitzende in Baden-Württemberg und parteiinterne Gegnerin Meuthens. Der Verfassungsschutz sei »völlig rechtswidrig« auf die AfD »auf den Hals gehetzt worden«.

Der Verfassungsschutz ist schuld – zumindest darin waren sich alle Lager in der Partei einig.

Allerdings ist unklar, ob die Nachricht von der Beobachtung durch den Verfassungsschutz tatsächlich die Stimmverluste verursachte. Im Frühjahr 2019 hatte das Umfrageinstitut Insa zwar erhoben, dass rund 27 Prozent der AfD-Anhänger bei einer Gesamtbeobachtung die Partei nicht mehr wählen wollten. Bislang gibt es kein neues Zahlenmaterial der Umfrageinstitute zu dieser Frage.

Klar belegt ist dagegen seit dem vergangenen Sonntag, dass sich einstige AfD-Wähler…