Wissenschaftler und Designer fertigen mit 3D-Druckern Schmuckmodelle, Prothesen, Häuserteile oder Organe, der US-Künstler und Tech-Experte Adam Harvey druckt stattdessen Streumunition, wie die »AO2.5RT«. Sie wurde noch in der Sowjetunion entwickelt, hat etwa die Größe eines American Football – und ist normalerweise hochexplosiv.

Mehr als hundert Staaten weltweit haben die Streumunition-Konvention unterzeichnet und sich verpflichtet, keine Streubomben mehr herzustellen, sie weiterzugeben oder zu lagern. Trotzdem werden sie etwa in Syrien oder im Jemen weiter abgeworfen. Die Bomben setzen viele kleine Sprengkörper frei, die sich über große Flächen verteilen – und keinen Unterschied zwischen Kriegsparteien und Zivilisten machen. Blindgänger, die nicht sofort explodieren, sind noch nach Jahrzehnten scharf und können Menschen verstümmeln oder töten.

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Munition aus dem 3D-Drucker: Aufnahmen des bearbeiteten Modells dienen später dazu, einen Algorithmus zu trainieren

Foto: Adam Harvey / VFRAME.io

Eine echte Streubombe hat Adam Harvey, der in Berlin lebt, noch nie gesehen: Der 39-Jährige hat Details im Internet recherchiert, die Maße der Munition kalkuliert, indem er sie mit anderen Objekten auf Fotos und in Videos abgeglichen hat. Seine 3D-Modelle malt er an, fotografiert sie aus vielen Perspektiven, teils auch beschädigt – in Umgebungen, die Originalfundorten von echter Munition entsprechen, etwa auf sandigem Untergrund.

Mit den Aufnahmen trainiert Harvey einen Algorithmus, der zivilgesellschaftliche Initiativen künftig dabei unterstützen soll, Millionen von Fotos und Videos nach illegaler Streumunition zu durchforsten – um zu belegen, wer sie an welchen Stellen abgeworfen hat. »Sie wissen, wonach sie suchen«, sagt Harvey. »Das Tool hilft ihnen dabei, die Nadel im Heuhaufen zu finden.«

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Streumunition, die etwa im Bürgerkrieg in Syrien eingesetzt wird, tötet und verletzt…