»Die Brutalität liegt eigentlich darin, dass sich die Textilbranche ständig selbst verarscht.«
»So viel Kleidung kann ein Mensch gar nicht tragen, wie produziert wird.«
»Und Corona zeigt eigentlich umso deutlicher, dass diese geplante Obsoleszenz, einem irgendwann um die Ohren fliegt.«

Laut Schätzungen des Handelsverbands Textil bleiben in Deutschland nach diesem Winter mindestens 500 Millionen Kleidungsstücke unverkauft. Was passiert damit?

Das Problem ist warm und kuschelig: Unverkaufte Jacken und Mäntel, die im Frühling niemand mehr haben will. Knapp die Hälfte ihrer Winterware konnte Einzelhändlerin Janine Werth wegen des Corona-Shutdowns in dieser Saison nicht verkaufen.

Janine Werth, »Werte Freunde«
»Wir lagern die jetzt ein und dann freuen wir uns, die im August wieder rausräumen zu können. Die kommen jetzt erst mal in ein provisorisches Lager, das wir erst mal erfinden und bauen müssen, aber wir werden einen Platz dafür finden.«

Werth will nachhaltig wirtschaften und führt zeitlosere Mode, die sich im kommenden Jahr vermutlich noch genauso gut verkaufen lässt. Doch der Großteil der Branche arbeitet anders.

Um den Konsum anzuheizen, bringen manche Labels bis zu 24 Kollektionen im Jahr heraus. Nie zuvor wurden so viele Kleidungsstücke hergestellt wie heute: 100 Milliarden jedes Jahr.

Diese Kleidung stapelt sich nun in den Läden. Auch Janine Werth musste ihre Küche als provisorisches Lager umfunktionieren.

Janine Werth, »Werte Freunde«
»Es ist natürlich eine Menge. Das muss man ganz klar so sagen. So eine Menge hat man normalerweise nicht über. Es sei denn, man hat sich verkalkuliert oder wirklich danebengegriffen bei ein paar Teilen. Aber das wird auf jeden Fall schon einen ordentlichen, enormen Warendruck ergeben im Herbst und Winter.«

Wer nicht einlagern kann, dem bleibt die Möglichkeit, überschüssige Ware zu spenden – zum Beispiel über die Plattform »Innatura« in Köln. Juliane Kronen war früher Unternehmensberaterin. Heute kümmert sie sich…