Meistens ist es bequem, wenn man sich die Maßstäbe aussuchen kann, nach denen man die eigene Position bewertet. Gerade an einem Wahlabend.

Für die Grünen heißt das: Schaut man vor allem auf die Differenz zu den Wahlen vor fünf Jahren, war das ein hervorragender Tag. »Das ist ein super Start ins Superwahljahr!«, twitterte der Bundesgeschäftsführer Michael Kellner kurz nach 18 Uhr. Von einem »super Start ins Superwahljahr« sprach wortgleich auch Parteichef Robert Habeck.

Die Grünen können sich in Baden-Württemberg über ein ähnliches Ergebnis wie vor fünf Jahren freuen – mehr als 30 Prozent. Und über Zugewinne – etwa drei Prozentpunkte – in Rheinland-Pfalz. Sie sind die Gewinner des Wahlabends, so oder so. Dann hat die CDU auch noch verloren, umso besser aus Grünen-Sicht. »Ein schwarzer Tag für die Schwarzen«, formulierte Jürgen Trittin erfreut.

Aber ist natürlich ein klein wenig komplizierter, weil sich der Blick der Grünen auf die Bundestagswahl richtet und ihre Ziele dort mit kleineren Zuwächsen nicht zu erreichen sein werden. Bei der letzten Bundestagswahl holte die Partei 8,9 Prozent. Jetzt wollen die Grünen am liebsten ins Kanzleramt.

Es ist daher ein wenig wie mit dem Klimaschutz, dem Thema, das den Grünen seit 2019 maßgeblich neue Bedeutung verleiht: Ein bisschen Verbesserung reicht nicht, es muss schon eine Transformation sein. Deshalb reicht auch der Blick auf die Zuwächse an diesem Wahlsonntag nicht aus.

Der forsche Anspruch auf das Kanzleramt ist in der Welt

Bei der Wahl in Baden-Württemberg ging es für die Grünen immer darum, ob sie das Land halten können. Ob sie die stärkste Partei bleiben. Ob Winfried Kretschmann weiter regieren kann.

Die Grünen leben stark von der Erwartung an ihren Erfolg in der Zukunft. Sie erreichten bundesweit vor der Corona-Krise Umfragewerte und damit einen Status, der weder von der Größe der Partei noch der Verwurzelung in den Ländern noch der loyalen Stammwählerschaft gedeckt ist.

Deshalb…