Während der Präsident weiter strikte Anordnungen verweigert, haben lokale Politiker den Ernst der Lage erkannt und die Maßnahmen gegen eine rasante Ausbreitung des Coronavirus verschärft.

Die meisten Bars und Restaurants in Rio de Janeiro haben am Samstag um 18 Uhr bereits ihre Läden heruntergelassen und die Türen geschlossen.

«Rio de Janeiro ist eine Geisterstadt, nicht wahr?», sagt ein Fußgänger im Ausgehviertel Lapa. Anders als an vielen Wochenenden zuvor scheint die Nachlässigkeit, ja Gleichgültigkeit gegenüber dem Coronavirus nun der Vernunft gewichen zu sein. Das Stimmengewirr und die Musik weichen der Stille, an die Stelle des Barlichts tritt eine unwirtliche Dunkelheit.

Es ist das erste Wochenende eines «Lockdown light» mit einer Art Ausgangssperre gewesen. Rio de Janeiros Bürgermeister Eduardo Paes hatte erlassen, dass Bars und Restaurants ab Freitag um 17 Uhr schließen müssen, der Aufenthalt auf öffentlichen Straßen und Plätzen zudem nach 23 Uhr verboten ist. Kioske an den berühmten Stränden wie der Copacabana blieben gleich komplett geschlossen.

Auch wenn Experten die Zögerlichkeit bei den nun ergriffenen Maßnahmen und das Fehlen einer Lösung für die überfüllten öffentlichen Transportmittel kritisieren – Politiker in anderen Bundesstaaten und Städten haben den Ernst der Lage ebenfalls erkannt und die Maßnahmen gegen eine rasante Ausbreitung des Coronavirus verschärft. So trat beispielsweise am Samstag auch São Paulo in die sogenannte rote Phase und die Geschäfte mussten schließen.

Das Szenario heute erinnert sehr an den chaotischen Beginn der Pandemie im April und Mai – und ist der bisherige traurige Höhepunkt der Corona-Krise in Brasilien, das gerade seine tödlichste Woche erlebt hat. Allein am Mittwoch starben 1910 Menschen mit oder an Sars-CoV-2 – der höchste je registrierte Wert in Brasilien…