Papst Franziskus hat am Sonntag vor einer Kirchenruine im nordirakischen Mossul für Kriegsopfer gebetet. Die Flucht von Christen aus dem Irak und dem Nahen Osten bedeute »unermessliches Leid nicht nur für den Einzelnen und die betroffenen Gemeinden, sondern auch für die zurückgelassene Gesellschaft«, so Franziskus.

Der Besuch in Mossul ist von großer symbolischer Bedeutung, aber zugleich die gefährlichste Etappe seiner am Freitag begonnenen Reise. Eine Hubschrauber-Eskorte brachte Franziskus von Erbil nach Mossul, dann ging es in einem gepanzerten Fahrzeug zur Kirchenruine im Zentrum der Stadt.

Mossul war 2014 vom »Islamischen Staat« (IS) überrannt worden, ebenso wie weite Gebiete im Norden und im Zentrum des Irak. In Mossul hatte der IS damals sein »Kalifat« ausgerufen.

Die Schreckensherrschaft der Extremisten trieb einen Großteil der einheimischen Christen in die Flucht. Tausende Jesiden, Christen und Muslime wurden von den Dschihadisten getötet.

Zwischen 2016 und 2017 eroberten irakische Kräfte die Stadt mit Unterstützung der internationalen Militärkoalition zurück. Bei den schweren Gefechten wurde Mossul stark zerstört.

»Hört nie auf zu träumen«

Die Ninive-Ebene war bis zur Eroberung durch den IS eines der Hauptsiedlungsgebiete der Christen im Irak. Nach Mossul suchte Franziskus die nahegelegene Ortschaft Karakosch auf. Dort war die Kirche al-Tahira, die der IS niedergebrannt hatte, wiederhergestellt, gereinigt und für den Papst-Besuch geschmückt worden. Franziskus ermutigte die christliche Gemeinde von Karakosch, ihren Glauben nicht zu verlieren. »Hört nie auf zu träumen«, sagte der 84-Jährige.

Im Irak lebten Anfang der Nullerjahre noch rund 1,5 Millionen Christen, heute sind es noch etwa 400.000. 97 Prozent der Iraker sind Muslime, wobei die Schiiten (60 Prozent) deutlich stärker vertreten sind als die Sunniten (37 Prozent). Nur drei Prozent der Bevölkerung gehören anderen Religionen an, zu ihnen zählen neben Christen unter anderem auch…