Die Staatsanwaltschaft München I hat Anklage gegen den prominenten Fernseh- und Theaterregisseur Dieter Wedel wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung erhoben. Das teilte die Behörde mit. Der 81-Jährige hat die Vorwürfe bestritten. 

Es geht um einen Vorwurf aus dem Sommer 1996. Die Schauspielerin Jany Tempel gibt an, sie habe damals bei Wedel in einem Münchner Hotel für eine Rolle vorsprechen wollen. Dort habe der Regisseur, der mit aufwändigen TV-Produktionen wie „Der große Bellheim“ und „Der Schattenmann“ große Erfolge feiern konnte, die damals 27-Jährige vergewaltigt.

Die 20-seitige Anklage führt nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 20 Zeugen, eine Gutachterin sowie Kalendereinträge als Beweismittel an. Weder Tempel noch ihr Anwalt Alexander Stevens wollten sich zunächst zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft äußern.

Wedels Anwältin beklagt Vorverurteilung

Dagegen kritisierte Wedels Anwältin die Anklageerhebung in scharfer Form. „Das Ermittlungsverfahren, das von einer fast beispiellosen öffentlichen Vorverurteilung eingeleitet und begleitet wurde, dauert seit mehr als drei Jahren an, ohne dass sich in dieser Zeit durchgreifende neue Gesichtspunkte zur Belastung unseres 81-jährigen Mandanten ergeben haben“, teilte die Rechtsanwältin Dörthe Korn aus der Kanzlei von Peter Gauweiler mit.

Das Geschehen liege fast 25 Jahre zurück, erklärte Korn. „Der Tatvorwurf beruht letztlich allein auf der Behauptung der Nebenklägerin, die diese gegenüber einem Presseorgan unter dem Vorbehalt machte, dass die angebliche Tat verjährt sei und die Wahrheit ihrer Beschuldigung nicht mehr in einem Gerichtsverfahren überprüft werden dürfe.“

#MeToo-Debatte in Deutschland

Die Vorwürfe wurden Anfang 2018 bekannt. Damals beschuldigten drei Schauspielerinnen Wedel im Zeit-Magazin, sie in den 1990er Jahren sexuell bedrängt zu haben. Der Fall wurde der bekannteste in der deutschen #MeToo-Debatte, die 2017 ins Rollen gekommen war. Unter dem Hashtag #MeToo…