Eine neue Regierung bitte!

Der gestrige Tag war der vielleicht bitterste und gefährlichste seit Beginn der Pandemie. Nicht, weil die Infektionszahlen dramatisch gestiegen wären. Dramatisch gestiegen ist das Erregungslevel im Lande, der Frust darüber, was die Politik nach 12 Monaten Erfahrung im Umgang mit dem Corona-Virus anzubieten hat. Genauer: Nicht anzubieten hat.

Nach neunstündigen Verhandlungen legen Bundesregierung und Ministerpräsidenten in der Nacht zum Mittwoch tatsächlich die lange ausgebliebene Strategie für Öffnungen vor. Aber dann fußt diese Strategie vor allem auf drei Hilfsmitteln, deren Konzeption, Beschaffung oder Verabreichung weitestgehend verschlafen wurde: Impfstoffe, Schnelltests und eine effiziente App zur Kontaktnachverfolgung. Leichter kann man es einem Virus kaum machen.

Sollte die Politikverdrossenheit bald neue Höhen erreichen, hat das viel mit der Bundeskanzlerin und dem Bundesgesundheitsminister zu tun. Weder Angela Merkel noch Jens Spahn sind seit dem vergangenen Sommer ihren Aufgaben gerecht geworden. Eine frische, tatkräftige Regierung wäre dem Land und seinen Bürgern sehr zu wünschen gewesen. Die aktuelle hat nun nachhaltig bewiesen, dass sie es nicht kann.

Das erschüttert auch lang gepflegte Selbstzuschreibungen. Lange waren wir Deutschen davon überzeugt, in einem modernen, innovativen und gut organisierten Land zu Leben. Die Pandemie hat uns diese Selbsttäuschung genommen. Wäre die Bundesrepublik tatsächlich ein modernes, innovatives und gut organisiertes Land – und hätte zugleich das Glück, eine umtriebige, ambitionierte, hellwache politische Führung zu haben, sähe die Situation jetzt rosiger aus. Dann hätte es jetzt gute Perspektiven für die Kultur, die Gastronomie oder die Ladenbesitzer gegeben, es hätte Aussicht auf mehr Geselligkeit, auf mehr Lebensglück gegeben.

AstraZeneca für alle

Nun zur Selbstkritik. Wir Journalisten haben unseren Anteil daran, dass der Ruf des AstraZeneca-Impfstoffs zwischenzeitlich recht…