von Christoph Fröhlich

05.03.2021, 10:13 Uhr

Viele Menschen halten Künstliche Intelligenzen für eine Bedrohung. Dabei nutzen sie die Technologie längst jeden Tag. Für manche ist es sogar die Chance, die Welt neu zu erleben. Ein Gespräch mit John Giannandrea, Apples KI-Chef, über die Chancen von KI – und wo der Konzern nachbessern muss.

Eines der größten Missverständnisse über Technik basiert womöglich auf einer Entschuldigung. „Es tut mir leid, Dave, aber das kann ich nicht tun“, sprach der Computer HAL 9000 in Stanley Kubricks 1968 veröffentlichen Film „2001: Odyssee im Weltraum“, als er sich den Befehlen der Menschen widersetzte, denen er eigentlich dienen soll. Die Maschine wird zum Mörder im Weltall. Eine gruselige Vorstellung, die das Image der Künstlichen Intelligenz noch fünf Jahrzehnte später prägt.

Kaum eine Technologie löst eine solche Ambivalenz aus. Sie macht Dinge möglich, von denen man vor wenigen Jahren noch nicht zu träumen wagte. Sie lässt Autos eigenständig durch Straßen fahren und kann 100 Jahre alten Fotos neues Leben einhauchen. Manche sehen in Künstlicher Intelligenz jedoch eine der größten Bedrohungen der Zukunft.

Dabei ist sie längst in beinahe alle Bereiche unseres Alltags vorgedrungen. Nehmen wir mit dem Smartphone nachts ein Foto auf, komponiert eine KI in Sekundenbruchteilen aus Einzelbildern ein ansehnliches Foto. Rufen wir Siri oder Alexa etwas zu, werden unsere Sätze in Echtzeit in Lautfetzen zerteilt, analysiert, verarbeitet – und mit etwas Glück verstanden.

John Giannandrea: „Ich mag den Begriff KI nicht“

Wesentlich vorangetrieben wurde diese Entwicklung von John Giannandrea. Der britische Informatiker war Technischer Direktor (CTO) der von ihm mitbegründeten Spracherkennungsfirma Tellme Networks, der Webbrowser-Abteilung bei Netscape sowie Senior Engineer bei General Magic. 2005 gründete er…