Das Drama um die australisch-britische Finanzgruppe Greensill und ihren deutschen Ableger kommt für die allermeisten Beobachter überfallartig. Bis vor wenigen Tagen war der Name nur absoluten Insidern bekannt, jetzt erschüttert plötzlich nach Wirecard der nächste Finanzskandal das Land. Bis in die »Tagesschau« hat es der Fall Greensill geschafft.

Bei näherem Hinsehen fällt die Überraschung aber deutlich kleiner aus. Denn dass der Name Greensill für Ärger steht, ist spätestens seit 2018 bekannt. Damals hatten krumme Deals mit Greensill den Schweizer Vermögensverwalter GAM in die Tiefe gerissen; zeitweise stand sogar das Überleben der renommierten Zürcher Adresse auf dem Spiel.

Der damalige GAM-Fondsmanager Tim Haywood hatte Kundengelder in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro in Anleihen investiert, die Firmen des indisch-britischen Unternehmers Sanjeev Gupta begeben hatten. Anders ausgedrückt: Er finanzierte Guptas Geschäfte. Vermittelt habe dieses Geschäft, so hieß es damals, Greensill.