Tag für Tag findet auf den Intensivstationen der härteste Kampf der Corona-Pandemie statt. Hier ringen die am schwersten Erkrankten um ihr Leben. Zur Zeit sind rund 2800 Patienten mit Covid-19 in Intensivbehandlung.

Julia Merlot / DER SPIEGEL

»Die Intensivmediziner warnen dringend davor, die Zahlen jetzt nochmal nach oben schnellen zu lassen, weil das Personal sowieso schon am Limit ist, es arbeitet ja jetzt seit einem Jahr im Ausnahmezustand. Gleichzeitig wurde den Leuten zu Beginn der Pandemie viel versprochen, auch monetäre Anreize. Vieles davon ist nicht wahr geworden, deshalb ist der Frust auch und es ist kaum mehr zumutbar, den Leuten eine immer größere Last aufzubürden.«

Doch wie lange hält dieser Ausnahmezustand noch an? Führende Intensivmediziner haben eine Prognose mit Hilfe bereits bestehender Daten erstellt: Bei ihrem Worst-Case-Szenario gehen sie von einem Anstieg des R-Werts – also der Zahl der Menschen, die ein Infizierter im Schnitt ansteckt – auf 1,2 aus. Für die ansteckendere Virusmutante aus Großbritannien würde der Wert auf 1,55 steigen. Deshalb plädieren die Mediziner dagegen, die geltenden Beschränkungen weiter zu lockern, um einen solchen Anstieg des R-Werts zu verhindern. Denn sonst könnten bis zu 25.000 Covid-Patienten auf der Intensivstation landen.

Julia Merlot / DER SPIEGEL

»25000 belegte Intensivbetten sind ein extremes Schreckensszenario. Zur Einordnung: Die höchste Zahl, die wir bisher hatten, waren 6000 Intensivpatienten in Deutschland. Die Gesamtzahlt der zur Verfügung stehenden Betten liegt bei 27000. Das heißt, da würden die 25000 noch reinpassen. Allerdings gibt es ja nicht nur Covid-19 Patienten, die auf Intensivstationen behandelt werden müssen, sondern eben auch Menschen mit anderen Leiden, die dringend Intensivversorgung brauchen. Das heißt mit 25000 Covid-19-Intensivpatienten wäre das System am Limit und sogar darüber, so dass dann die Mediziner die schlimme Entscheidung treffen müssen, wen sie eigentlich noch…