Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wat heb wi lacht, wat heb wi grölt: Da setzen sich unsere Spitzenpolitiker nach stundenlangem Verhandlungsmarathon zu neuen Corona-Beschlüssen doch tatsächlich hin und präsentieren ein Blatt Papier, das aussieht, als hätte sich ein Kind am Tuschekasten ausgetobt. Der sogenannte Stufenplan, der damit veranschaulicht werden soll: Ein Wirrwarr aus Regeln und Rückstufungen, das kein Mensch mehr versteht. Geht das nicht auch einfacher?

Nein, geht es nicht.

Man kann über einige Entwicklungen in dieser Woche berechtigt entsetzt sein. Zum Beispiel darüber, dass erst jetzt eine Taskforce aufgestellt wird, die Schnelltests beschaffen soll. Und man diese dann auch noch in die Hände von Jens Spahn und Andreas Scheuer übergibt. Ausgerechnet Spahn! Ausgerechnet Scheuer! Der – noch mehr als Spahn – als Verkehrsminister vor allem Panne um Panne produziert. Bis übernächsten Sommer haben die beiden das mit den Schnelltests im Griff, ganz bestimmt.

Aber den Stufenplan pauschal zu verlachen und nach einer einfachen Regelung zu rufen, ist irritierend. Die einfache Variante ist: aufmachen oder schließen. Seit Wochen beklagt sich Deutschland über zu grobschlächtige Einschränkungen und fordert maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Bereiche, die räumliche Gegebenheiten und Infektionsrisiko berücksichtigen. Das aber ergibt zwangsläufig ein kompliziertes Konzept, bei dem es dann auch anstrengend sein kann, es zu durchdringen. Sorry! Der Spott über das bunte Bild offenbart nur, dass viele Menschen die Komplexität der Pandemie immer noch nicht verstanden haben.

Das wahre Problem mit den jetzigen Regelungen ist ein ganz anderes. Wir liegen derzeit in Sachen Neuinfektionen etwa auf dem gleichen Niveau wie im Oktober 2020 – bevor die Fallzahlen explodierten. Die deutlich ansteckendere britische Mutante B.1.1.7 hat sich längst in Deutschland ausgebreitet. Und gerade mal knapp drei Prozent der Bevölkerung sind bislang vollständig mit zwei Dosen…