Sechs Milliarden Euro sind eine stolze Summe. So hoch ist der Etat des Bundesaußenministeriums – für das komplette Jahr. Oder der Umsatz des Münchner Autozulieferers Knorr-Bremse. Der Verlust der Lufthansa lag 2020 sogar noch etwas höher: bei 6,7 Milliarden Euro. Konzernchef Carsten Spohr müsste eigentlich zutiefst deprimiert sein.

Er ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Der gelernte Pilot will die Coronakrise nutzen, um das Traditionsunternehmen umzukrempeln, wie es keiner seiner Vorgänger getan hat. »Don’t waste a good crisis«, heißt eine alte Managerweisheit, »nutze die Chancen, die Dir eine Krise bietet«. Spohr befolgt sie mit einer Konsequenz und Härte, die ihm kaum jemand zugetraut hätte. Am Ende wird eine neue Lufthansa stehen: kleiner, moderner und stärker auf die Bedürfnisse von Privatkunden ausgerichtet. Oder um es mit Spohr zu sagen: »Wir können mit Gegenwind umgehen.«

Noch im vergangenen Herbst warf der kürzlich verstorbene Lufthansa-Großaktionär und Knorr-Bremse-Patriarch Heinz Hermann Thiele dem Konzernchef vor, viel zu zögerlich zu agieren. Davon kann inzwischen keine Rede mehr sein. Spohr bricht mit ehernen Regeln, die jahrzehntelang zur Lufthansa gehörten.

»Einmal Lufthansa, immer Lufthansa«, hieß eine davon. Wer einmal einen Job bei Deutschlands Vorzeigeairline ergattert hatte, gab diesen nicht mehr her. Schließlich brachte er nicht nur gutes Geld, sondern auch Privilegien wie Freiflüge für die Mitarbeiter und ihre Familien oder das Recht auf verbilligte Einkäufe. Trotzdem hat es Spohr geschafft, bis zum Jahresende 28.000 Angestellte weniger zu haben. Im Januar und Februar sind weitere 3000 Angestellte ausgeschieden. Bis das Programm abgeschlossen ist, soll die Belegschaft von ehemals gut 140.000 auf nur noch 100.000 Mitarbeiter geschrumpft sein.

Nichts bleibt, wie es einmal war

»Nur ein abgeschriebenes Flugzeug ist ein gutes Flugzeug«, lautete ein anderes Mantra bei der Lufthansa. Schließlich warfen sie die höchsten…