Wenn Bundesregierung und Länderchefs zusammensitzen und über die Corona-Maßnahmen verhandeln, geht es immer auch um ein Abwägen von Interessen, Forderungen, Wünschen. Die Rufe nach Lockerungen waren laut vor diesem Gipfel, die Warnungen vor einer heftigen dritten Welle ebenso. Da wundert es kaum, dass sich Bundeskanzlerin Merkel erst in den frühen Morgenstunden mit Erklärungen an die Öffentlichkeit wandte.

Klar war da bereits seit Stunden, dass ein Sieben-Tage-Inzidenzwert von 35 pro Hunderttausend Einwohner wohl künftig nicht mehr als Voraussetzung für jegliche Öffnungen gelten würde. Zur Erinnerung: Einst galten Inzidenzen von 35 und 50 als Obergrenzen, weil Experten davon ausgehen, dass die Gesundheitsämter beim Überschreiten dieser Werte nicht mehr mit der Kontaktverfolgung hinterherkommen und die Pandemie somit außer Kontrolle gerät.

Das Ziel, den Ausbruch zu kontrollieren, scheint die Runde aufgegeben zu haben. Derzeit liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner ungefähr bei 65, immerhin näher an der 50 als an der 100. Doch statt die Zahl weiter zu drücken, haben sich Bundes- und Landesregierungen darauf geeinigt, ab dem 8. März teilweise und in Stufen zu lockern. Steigt in einem Landkreis oder einer Stadt die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen allerdings wieder über 100, treten ab dem zweiten darauffolgenden Tag erneut die bisherigen, strengeren Regeln in Kraft.