Wenn die deutsche Finanzaufsicht Bafin einen Sonderbeauftragten in eine Bank entsendet, muss die Lage ernst sein – schließlich hat gerade die Bonner Behörde in den vergangenen Jahren oft genug den Ernst der Lage nicht oder zu spät erkannt. Nun aber ist es so weit: Weil das hierzulande bis eben nahezu unbekannte britische Kreditinstitut Greensill Capital in Existenznot geraten ist und mit ihr der deutsche Ableger, hat die Bafin nicht nur ab sofort einen Aufseher bei Greensill sitzen, der direkt vor Ort die Geschäfte kontrolliert. Am Mittwoch entschied die Bafin sogar, die Bank wegen drohender Überschuldung für den Kundenverkehr dichtzumachen. In Australien hatte Greensill bereits Gläubigerschutz beantragt. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, verhandelt Greensill derzeit mit dem Finanzinvestor Apollo über einen Verkauf großer Teile des operativen Geschäfts.

Die Lage ist unübersichtlich. Aber es zeichnet sich ab, dass die Schieflage von Greensill für die hiesige Einlagensicherung zur größten Herausforderung seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und seiner deutschen Tochter 2008 werden kann. Hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden Euro deutscher Kleinanleger stehen im Feuer, eine Schweizer Großbank und sogar ein indischer Stahlbaron spielen zentrale Rollen in dem Finanzdrama.

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wer ist Greensill?

Vereinfacht gesagt: eine 2011 von dem Australier Lex Greensill gegründete Bank. Lex wuchs nach eigenen Angaben auf einer australischen Zuckerrohr- und Melonenfarm auf, seine Familie sei zu arm gewesen, ihn auf eine Universität zu schicken. Der junge Lex aber war aufgeweckt genug, um zu bemerken, mit welchen finanziellen Problemen Bauern in seiner Heimat zu kämpfen haben, nämlich: dass sie mit großer Verzögerung für ihre Ernte bezahlt werden. Daraus bastelte Lex nach Lehrjahren als Investmentbanker in London eine Geschäftsidee: Lieferkettenfinanzierung oder, weltläufiger, »Supply Chain Finance«….