Die Finanzaufsicht Bafin macht die in Turbulenzen geratene Bremer Greensill Bank dicht. Die Tochter des britisch-australischen Finanzkonglomerats Greensill werde mit sofortiger Wirkung für den Kundenverkehr geschlossen, teilte die Finanzaufsicht mit. Durch das Moratorium sollen Vermögenswerte gesichert werden. Wegen drohender Überschuldung wurde ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen.

Zugleich stellte die Aufsicht Strafanzeige gegen das Institut, wie ein Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft auf Anfrage sagte. Details nannten weder er noch die Bafin.

Die Greensill Bank AG hat der Bafin zufolge keine systemische Relevanz. Ihre Notlage stelle daher keine Bedrohung für die Finanzstabilität dar. Die Bilanzsumme des in Bremen ansässigen Instituts belief sich Ende 2020 auf rund 4,5 Milliarden Euro. Die Bafin hatte bereits einen Sonderbeauftragten bei der Bank eingesetzt.

Die Bremer Greensill Bank AG ist aus der Nordfinanz Bank hervorgegangen. Das Institut bietet neben Finanzierungen für Unternehmen auch Tages- und Festgeldanlagen an und lockte dabei mit ungewöhnlich hohen Zinsen.

2011 vom Ex-Banker Lex Greensill gegründet, spielt das Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Lieferketten. Dabei geht es um einen kurzfristigen Bargeldvorschuss, der Unternehmen Zeit gibt, um Lieferanten zu bezahlen. Greensill Capital zahlt einem Lieferanten schneller die Rechnung, als es der Auftraggeber könnte – und bekommt dafür einen Rabatt. Die Greensill Bank AG versteht sich der Bafin zufolge als Refinanzierer für die Gruppe.

Die Forderungen bündelte Greensill in anleiheähnlichen Wertpapieren und verkaufte sie an Investoren. Zuletzt kamen Investoren Medienberichten zufolge allerdings Zweifel, was die Finanzgruppe unter Druck setzte. Greensill Capital sitzt in London, der Mutterkonzern Greensill Capital in Australien.

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