Manfred Weber wollte wieder einmal seine Lieblingsrolle spielen. »Ich bin ein Brückenbauer, und ich werde immer einer sein«, sagte der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament am Mittwoch in einer virtuellen Fraktionssitzung. Nicht weniger als 14 Chefs nationaler Delegationen hätten ihn zum Rauswurf der Fidesz-Abgeordneten gedrängt – den Parteigängern des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der in seinem Land Medien gleichschaltet, Oppositionelle gängelt, den Rechtsstaat untergräbt.

»Aber das habe ich abgelehnt«, sagte Weber nach Angaben von Teilnehmern. Stattdessen baute der CSU-Mann seinen Leuten abermals eine Brücke. Doch sie zerbröselte, kaum, dass sie gebaut war. In Trümmern liegt nun auch die Politik des Hoffens und Beschwichtigens, die insbesondere CDU und CSU jahrelang gegenüber Orbán verfolgt haben.

Die EVP-Abgeordneten, unter ihnen auch die von CDU und CSU, stimmten am Mittwoch über eine Änderung der Fraktionsgeschäftsordnung ab: Sie sollte es ermöglichen, künftig nicht mehr nur einzelne Abgeordnete, sondern ganze nationale Delegationen zu suspendieren – allerdings ohne sie endgültig hinauszuwerfen. Die Fraktion wäre dann dort angelangt, wo die EVP-Gesamtpartei schon seit März 2019 ist, als sie die Mitgliedschaft der Fidesz aussetzte.