Wenn die deutsche Finanzaufsicht Bafin einen Sonderbeauftragten in eine Bank entsendet, muss die Lage ernst sein – schließlich hat gerade die Bonner Behörde in den vergangenen Jahren oft genug den Ernst der Lage nicht oder zu spät erkannt. Nun aber ist es so weit: Weil das hierzulande bis eben nahezu unbekannte britische Kreditinstitut Greensill Capital in Existenznot geraten ist und mit ihr der deutsche Ableger, hat die Bafin ab sofort einen Aufseher bei Greensill sitzen, der direkt vor Ort die Geschäfte kontrolliert.

Die Lage ist unübersichtlich. Aber es zeichnet sich ab, dass die Schieflage von Greensill für die hiesige Einlagensicherung zur größten Herausforderung seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und seiner deutschen Tochter 2008 werden kann. Hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden Euro deutscher Kleinanleger stehen im Feuer, eine Schweizer Großbank und sogar ein indischer Stahlbaron spielen zentrale Rollen in dem Finanzdrama.

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Wer ist Greensill?

Vereinfacht gesagt: eine 2011 von dem Australier Lex Greensill gegründete Bank. Lex wuchs nach eigenen Angaben auf einer australischen Zuckerrohr- und Melonenfarm auf, seine Familie sei zu arm gewesen, ihn auf eine Universität zu schicken. Der junge Lex aber war aufgeweckt genug, um zu bemerken, mit welchen finanziellen Problemen Bauern in seiner Heimat zu kämpfen haben, nämlich: dass sie mit großer Verzögerung für ihre Ernte bezahlt werden. Daraus bastelte Lex nach Lehrjahren als Investmentbanker in London eine Geschäftsidee: Lieferkettenfinanzierung oder, weltläufiger, »Supply Chain Finance«. Der Mutterkonzern Greensill Capital sitzt in Greensills Heimat Australien, die wichtigste Sparte namens Greensill Capital indes in London. Sie betreibt das Kerngeschäft. In Deutschland übernahm der Konzern 2014 die Bremer NordFinanz Bank und firmierte sie in Greensill Bank AG um.

Was genau macht Greensill?

Wie schon erwähnt: Lieferkettenfinanzierung. Die gibt es…